WHO-Experte beklagt "Berührungsängste" der Männer

1. November 2001, 21:23
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Viele kämen nur zweimal in Kontakt zu einem Arzt: bei der Geburt und beim Tod ...

Wien - "Viele Männer kommen mit dem Gesundheitswesen nur in der Kindheit oder am Ende ihres Lebens in Kontakt: Zu wenig, zu spät. Während Frauen häufiger an Krankheiten oder Invalidität leiden, sterben Männer früher", sagt der Koordinator des WHO-Programms zum Thema "Lebensstil und Altern", Alexandre Kalache.

So alt die menschliche Kultur ist, so alt sind auch die Bestrebungen der Menschen, ihren Gesundheitszustand zu verbessern, länger und gesünder zu leben. Doch auf die geschlechtsspezifischen Faktoren wurde oft vergessen.

Die Unterschiede der Geschlechter

Kalache: "Wir werden das Altern und den Themenkomplex 'Gesundheit' insgesamt nicht verstehen, wenn wir nicht auf die geschlechtsspezifischen Faktoren Rücksicht nehmen. Sowohl in psychologischer als auch in physiologischer Hinsicht sind die Umstände die zu unseren Alterungsprozessen führen, unauflösbar mit dem Geschlecht verbunden."

Mittlerweile ist klar, dass Projekte zur Förderung der Gesundheit - aber auch die Heilkunde selbst - nur "funktionieren", wenn sie auf das Geschlecht der Betreuten abgestimmt sind. Der WHO-Experte: "Immer mehr setzt sich die Überzeugung durch, dass Programme in der klinischen Forschung und auch zum öffentlichen Gesundheitswesen nie eine Wirkung haben können, wenn sie nicht diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigen."

Bewusstseinsänderung

In Sachen Männergesundheit kommt es dabei insbesondere darauf an, die Einstellungen des - angeblich - so starken Geschlechts zu ändern. Kalache: "Dieser Kampf muss das Bewusstsein verändern. Die Männerwelt muss dabei eine Kultur erlernen, in der es darauf ankommt, dass man auf sich achtet, auf sich 'schaut'. Das ist ein Gegensatz zu der Auffassung, dass Männer sich als 'unzerstörbare Maschinen' betrachten."

Dabei haben die Männer sprichwörtlich "unheimlich" viel aufzuholen. Der Experte der Weltgesundheitsorganisation: "Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Männer zum Arzt gehen, sind Krankheiten, die verhindert oder früher entdeckt werden hätten können, oft bereits so fortgeschritten, dass sie unheilbar geworden sind - und zu einem frühen Tod führen." (APA)

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