Prostatakrebs, der vermeidbare Killer

1. November 2001, 21:16
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Warnzeichen gibt es bereits Jahre vor der Erkrankung - und sie lassen sich lesen

Wien - Kampf gegen eine Killerkrankheit: Prostatakrebs. In den USA erkrankt bereits einer von zehn Männern an dem gefährlichen Leiden. Doch neue Untersuchungs- und Analysemethoden sollen helfen, die Gefahr bereits Jahre vor den ersten Symptomen zu erkennen. Dies erklärte der amerikanische Experte Dr. Larry J. Brant vom nationalen US-Institut für Alternsforschung.

Brant, der seit Jahren an der in Fachkreisen international bekannten Baltimore Longitudinal Study of Aging (BLSA) beteiligt ist: "Im Rahmen dieser groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchung werden seit 1958 rund 1.500 Männer im Alter von über 40 Jahren auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Ein wichtiger Punkt ist dabei Prostatakrebs. Er gehört - nach Lungen- und Magenkrebs - zu den häufigsten Krebs-Todesursachen bei Männern. Immerhin trifft diese Diagnose bereits einen von zehn Männer."

Der PSA-Wert

Allerdings, in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Möglichkeiten zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms dramatisch verbessert. Der Grund: Die einfache Messung der Konzentration des so genannten Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut gibt Hinweise auf das Erkrankungsrisiko.

Mit zunehmendem Alter steigt der PSA-Wert im Blut. Doch auch bei der Entwicklung eines Karzinoms erhöht sich die PSA-Konzentration.

Mittlerweile werden die PSA-Tests in Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen bei Männern in den Industriestaaten bereits routinemäßig durchgeführt. Doch nicht immer sind die erhobenen Werte auch aussagekräftig genug.

Genau das wollen Brant und seine Mitarbeiter ändern. Sie haben neue Auswertungsmethoden für die Blutbefunde verwendet und können jetzt viel genauere Aussagen treffen: "Wir können bereits (aus den PSA-Werten) das Vorliegen von Prostatakrebs mit einer Genauigkeit von 68 Prozent vorhersagen. Die Genauigkeit der Aussage, dass ein untersuchter Mann nicht daran leidet, liegt gar bei 92 Prozent."

Die Kurve

Der Clou: Die US-Wissenschafter haben herausgefunden, dass bei den Männern der PSA-Wert mit jedem Jahr "normal" etwas ansteigt. Doch wenn sich diese Kurve beschleunigt, ist Gefahr gegeben.

Brant: "Das ist der Fall, wenn sich der Anstieg der PSA-Konzentration von einem linearen Anstieg in eine exponenzielle Kurve umschlägt."

Damit lassen sich - vor dem Auftreten von Symptomen - Jahre gewinnen. Der US-Experte: "Mit unserer Klassifikations- und Analysemethode können wir die Entstehung eines Prostatakarzinoms im Durchschnitt 6,7 Jahre früher diagnostizieren, als dies bisher der Fall war. Wir gewinnen sogar im Durchschnitt 7,9 Jahre, bevor ein solches Karzinom in ein metastasiertes Stadium eintritt." In einem derart fortgeschrittenem Stadium wird die Karzinomerkrankung unheilbar.

Keine Frage: Das Erkennen dieser Gefahr Jahre bevor "normalerweise" eine solche Diagnose gestellt wird, eröffnet eine enorme Chance, die Krankheit möglichst frühzeitig zu behandeln bzw. in der Zukunft möglicherweise sogar noch Präventionsstrategien zu entwickeln, um die Gefahr zu bannen. Brant: "Davon könnten einerseits die Betroffenen profitieren, andererseits erspart das dem Einzelnen, dem Gesundheitswesen und der Gesellschaft hohe Kosten." (APA)

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