Westenthaler mit "Big Brother Award 2001" ausgezeichnet

8. November 2001, 17:18
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"Auszeichnung" für mangelndes Datenschutz-Verständnis in sechs Kategorien vergeben

Zum dritten mal wurden heuer zum Ausklang des Nationalfeiertages die "Big Brother Awards" im Wiener "Flex" verliehen. Motto: "Name them, shame them". Ausgezeichnet wurden in sechs Kategorien jene Institutionen oder Personen, die es nach Meinung der Jury (u.a. ARGE Daten, Vibe, Quintessenz, Public Netbase) mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen und die Privatsphäre der Bürger untergraben. Bei der Publikumswahl konnte FP-Klubobmann Peter Westenthaler einen klaren Sieg verzeichnen.

Fingerabdrücke

Westenthaler wurde für seinen "Vorschlag, erst allen Ausländern und dann überhaupt der gesamten Bevölkerung die Fingerabdrücke abzunehmen" ausgezeichnet, hieß es in der Begründung. In der Kategorie "Politik", in der Westenthaler ebenfalls nominiert war, gab es allerdings einen Überraschungssieger. Der Bürgermeister von Spittal an der Drau, Gerhard Köfer (SPÖ), setzte sich einstimmig durch. Seine Idee: Er setzte für Hinweise, die zur Ausforschung von Dealern führen, eine Prämie von 5.000 Schilling aus.

Lifetime

Den "Lifetime Achievement", also den Preis für sein "Lebenswerk", bekam der Projektleiter der Volkszählung, Karl Isamberth. Er sei auch für das "Monsterprojekt Bildungsevidenz" verantwortlich und hätte es "meisterhaft verstanden, die sozial höchst gefährliche Vernetzung ungeheurer Datenmengen" herunter zu spielen", so die Urteilsbegründung.

Preis entgegengenommen

Die Kategorie "Telekommunikation und Marketing" wurde von der Post AG gewonnen. Sie wurde für ihr "Daten-Doppelspiel" mit dem privaten Datenhändler Schober ausgezeichnet. Dieser verfüge über Daten "von allen 5,5 Millionen erwachsenen Privatpersonen mit bis zu 100 marketing-relevanten Merkmalen".

Erstmals in der Geschichte der Big Brother Awards Österreich wurde ein Preis auf der Bühne entgegengenommen. Es dürfe nicht sein, dass Kunden glauben, sie würden von der Post ausspioniert, so ein Mitarbeiter der Post AG. Ein Monitoring der Post wurde vereinbart.

Deckmantel der Kunst

Im Bereich "Business und Finanzen" setzte sich das Computerkunstfestival "Ars Electronica" durch. Begründung: Die Veranstalter hätten unter dem Deckmantel der Kunst eine "menschenfeindliche Technologie wie Biometrie" präsentiert.

Verharmlosung

Und die Kategorie "Behörden und Verwaltung" wurde von Kripo-Chef Herwig Haidinger gewonnen - für seine "öffentliche Verharmlosung der Überwachungs-Schnittstellen im Entwurf der Überwachungsverordnung".

Lebendige Preise

Als Trophäen haben sich die Veranstalter heuer etwas ganz besonderes einfallen lassen: Mit lebenden Kakerlaken befüllte Glasbehälter. (APA/red)

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