Warten auf das WWW-Wachstum

9. November 2001, 20:28
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Millionen Visits machen aus Onlinemedien noch keine gefragten Werbeträger. Die Umsätze wachsen trotzdem und trotz Internetkrise. Um etwa 30 Prozent jährlich.

Die Welt der Onlinemedien ist gegenwärtig durch einen eigenartigen Widerspruch gekennzeichnet: Einerseits greifen User heute mehr denn je auf Nachrichten aus dem Internet zurück - als Alternative zu Print und Fernsehen. Die Österreichische Webanalyse wies im September 2001 zum Beispiel der Onlineschwester des STANDARD, derStandard.at, 5,85 Millionen Visits (Besuche) aus. Der ORF als größter Anbieter vom redaktionellem Content in Österreich kam im gleichen Untersuchungszeitraum sogar auf 16,94 Millionen Besuche auf seiner Website (www.orf.at).

Andererseits werden Onlinemedien trotz dieser hohen Zugriffszahlen offenbar noch nicht als echte Werbeträger gesehen, wie sich das ihre Betreiber naturgemäß wünschen würden. "Internetwerbung in Österreich macht derzeit nur 0,5 Prozent des Gesamtwerbeaufkommens aus", schätzt Martina Tuma von jet2web, der Internettochter der Telekom.

Mangelnde Bewusstseinsbildung in den werbenden Unternehmen

Gründe für diese Zurückhaltung scheint es viele zu geben: Alexander Mitteräcker, Vorstand der Bronner Online AG (derStandard.at), spricht von einer besonders hierzulande zu beobachtenden mangelnden Bewusstseinsbildung in den werbenden Unternehmen. Das Internet sei noch immer nicht als das Informationsmedium der Gegenwart und Zukunft erkannt worden. Man akzeptiere Preise für die Erstellung von TV-Spots - die Bereitschaft, im selben Verhältnis in die Programmierungen von Onlinewerbung zu investieren, scheint aber noch nicht gegeben. Dies spiegle sich oft im mangelnden Erfolg der Werbung wieder. Ein weiterer Grund: die Internetkrise, die Tuma zwar als "Konsolidierung des Marktes bezeichnet", in der sie aber auch eine Ursache erkennt für das Ausbleiben des prognostizierten Wachstums der Onlinewerbebudgets. In besseren Jahren sei die New Economy selbst als "Big Spender" aufgetreten. Viele dieser Firmen seien aber nun Geschichte.

Aufwärtstrend

Trotz dieser schwierigen Situation sei auch ein stetiger Aufwärtstrend zu verzeichnen, sagt Mitteräcker. Die Umsätze würden steigen, zwar nicht um die einst prognostizierten 100 Prozent pro Jahr, aber immerhin jeweils um 30 Prozent. Man biete immer mehr Werbeformen an, um eine Grundauslastung zu gewährleisten. Neben Bannern (querformatigen Anzeigen) oder Pop-ups (aufgehenden Fenstern) erfreuten sich auch so genannte Skyscraper (aufgestellte Banner) großer Beliebtheit.

Überangebot

Das Gros der Erlöse, so Martina Tuma, werde man aber in Zukunft über Sponsorship und Kooperationen erzielen. "Vor allem Site-Sponsoring, Channel-Sponsoring und das Sponsern einzelner Features werden an Bedeutung gewinnen." Alexander Mitteräcker kritisiert in diesem Zusammenhang auch ein vorherrschendes Überangebot an vermeintlichen Werbeträgern. Vom Möbelhaus bis zum SMS-Dienst bietet jeder Websitebetreiber Werbeplätze am Markt an und meint, ein mediales Umfeld - welches erst die notwendige Aufnahmefähigkeit beim Internetuser hervorruft - zu bieten.

News kostenlos

An der Sinnhaftigkeit von Content-Gebühren zweifelt der Vorstand der Bronner Online AG. News müssten kostenlos bleiben. Einen Zusatznutzen könne man freilich verrechnen. Tuma liebäugelt auch schon mit "Paid Services". "Wenn man dem User den einmaligen Nutzen dieser Dienste vor Augen führt, wird er auch bereit sein - selbst im Schlaraffenland des WWW -, Geld für bestimmte Services auszugeben." (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, Serie E-Commerce, 25./26.10.2001)

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