Zwischen Glanz und Elend

1. November 2001, 21:44
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Der Jahrgang 2001 ist mehr oder weniger im Kasten, erste Prognosen lassen sich ziehen. Ein Rundruf bei Österreichs Winzern, womit heuer weinmäßig denn so zu rechnen ist

Es ist eh jedes Mal das gleiche: Bis zum Schluss kann immer noch alles in die Hose gehen. So kam es, dass der schöne Frühling und der enorm heiße Sommer dieses Jahres einen legitimen Nachfolger der vorigen beiden Top-Jahrgänge 1999 und 2000 vermuten ließen. Bis im September dann der Regen fiel, und zwar in Mengen, die der Stimmung der Winzer eher abträglich war. Befürchtungen, dass es sich doch um einen "Fäulnis-Jahrgang" wie 1998 handeln könnte, wurden leise, aber doch vernehmbar geäußert. Der äußerst warme und trockene Oktober ließ das Septemberwasser dann aber wieder verdunsten, die Trauben konzentrierten ihre Säfte und konnten sogar noch weiterreifen.

Franz Hirtzberger in Spitz in der Wachau, zum Beispiel, wirkt gelassen und meint, "es schaut sehr gut aus". Die Riesling-Weingärten seien sauber und reif, und mit dem Veltliner könne man auch sehr zufrieden sein. "Wer den Sommer und den Herbst über gut gearbeitet hat, kann was Großes erwarten", verspricht der Vinea Wachau-Obmann, "dort, wo Botrytis (Edelschimmel) reingekommen ist, hat sich's nicht unbedingt zum Positiven entwickelt". Sorgte man aber für gesunde Weingärten und sauberes Lesegut, vermutet Hitzberger eine mit 1999 vergleichbare Spitzenqualität.

"Irrsinnig zufrieden" ist auch Hannes Hirsch aus Kammern im Kamptal, die bisher schon gelesenen Weine zeichnen sich seiner Einschätzung nach durch eine besonders exakt definierte Frucht, die Veltliner durch eine schöne Würze aus. Die Säure sei hoch, sagt Hirsch, die Weine machten aber "viel Trinkspaß". Ähnliches verlautet sein Kollege Fred Loimer aus Langenlois, und beim Blauburgunder, "bei dem wir heuer ans Extrem gegangen sind", glaubt er überhaupt, "den besten, den ich je gemacht habe" im Keller zu haben. Die gelesenen Mengen liegen nach Auskunft des Winzers wegen dem höheren Wassergehalt der Trauben etwa zehn bis 15 Prozent über dem Vorjahr, "aber das war damals ja schon fürchterlich wenig".

Als unterschiedlich schätzt jedenfalls Peter Malberg vom Weingut Graf Hardegg im Weinviertel die Situation ein, die Erträge wären durchschnittlich und die Reife uneinheitlich. Positiv fiele die hohe Säure auf, "Weinsäure, eine gute Säure" und eine gute Farbausbeute bei den Rotweinen.

--> ...zwischen Hölle und Himmel...

von Florian Holzer
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