Das Pocket-Shop-System

20. November 2001, 12:12
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Ilhan Dogan steht jeden Abend vor dem Problem, seinen Stand für Gewürze, Kaffee, Tee und die daneben gelegene, kleine Extra-Abteilung für türkische Süßigkeiten ...

...wieder auf die vorgeschriebene Stand-Breite schrumpfen lassen zu müssen. Und das ist insoferne nicht so leicht, da die ungefähr 1500 verschiedenen Säckchen, Dosen, Körbe, Schachteln und alle sonstigen Behältnisse, die einem so einfallen, schon so ungefähr zwei Meter in den Markt hineinwachsen. Ilhan, der sich sein Geld zuvor auf der Akademie als Aktmodell verdient hat, und seine Brüder standen schon bei ihrem Obst-und Gemüsestand vor einer ähnlichen Situation, die sie mit Hilfe eines Klappmechanismus lösten. Beim Gewürzstand übertrafen sich die Brüder allerdings dann noch einmal: Auf Schienen kann der ganze Laden wie ein Periskop ausgefahren werden, Kassa und Beistell-Kästchen sind auf Rollen gelagert und werden ins Innere verschoben, und wenn die Rollbalken herunten sind, sind die Lufträume von Dogans Gewürzstand auf ein Minimum reduziert. Das Schweizermesser unter den Gewürzständen, nichts für Klaustrophobiker.

Aber mit Enge kommt Dogan zurecht, muss er ja, in seinem gegenüberliegenden Café DoAn drängen sich die schicken Chill-Outer zur Zeit schließlich noch dichter als herüben die Ingwerwurzeln, Muskatnüsse und Kardamon-Samen.

der Standard/rondo/19/10/01

von Florian Holzer
Dogan und Acer, Stand 358-363
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