Verliebt, verlobt, verheiratet

24. Oktober 2001, 16:30

Victor Kossakovskys Trilogie "Ja was ljubil"

Lyalya liebt Pavel. Hat Sergej Natascha lieb? Katja ist jedenfalls in Sascha verliebt. Drei Romanzen hat der russische Dokumentarfilmemacher Victor Kossakovsky in seinem Film Ja was ljubil/ I Loved You zusammen gestellt, drei Sprachen der "Liebe" von unterschiedlichen Generationen mit ebenso vielen filmischen Verfahren übersetzt.

Der erste Teil, Pavel i Lyalya, aus dem Jahr 1998 beschreibt den Besuch des Regisseurs bei einem seiner Lehrer, der jetzt in Jerusalem lebt. Pavel ist schwerkrank und wird von seiner Frau Lyalya mit zärtlicher Hingabe gepflegt - ein Thema, das Feingefühl verlangt, dem Kossakovsky mit impressionistischem Gestus begegnet, wobei er sein Nahverhältnis zu den Porträtierten nicht verhehlt.

In einer wunderschönen Szene erzählt Lyalya, wie man sich mit alltäglichen Verrichtungen neuen Mut einflößt. Die Kamera wendet dabei den Blick allmählich von ihr ab, filmt das Spiel der Sonnenstrahlen auf der Wand, bis man aus dem Off ein leises Weinen hört: Es handelt sich um Kossakovsky selbst, und prompt bittet ihn Lyalya, damit aufzuhören.

Pavel i Lyalya deutet aber auch an einer Stelle, mit der Beschneidung eines Kindes, den Neubeginn an, den die beiden folgenden Kapitel des Films einlösen: Ein von endlosen Ritualen geprägtes Hochzeitsbankett am Land bildet das Zentrum von Sergej i Natasha. Im Laufe der Zeremonie erhält man nicht nur komische Einblicke in die Festgesellschaft, in Details lässt sich auch die Unsicherheit des Brautpaares in den neuen Rollen ablesen.

Der Schauplatz von Sasha i Katja, dem "improvisiertesten" Teil des Films, ist schließlich ein Kindergarten: auf Video stibitzte Momente von ungebändigtem Begehren, echten Tränen und maßloser Eifersucht.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. 10. 2001)

 Von
 Dominik
 Kamalzadeh


Stadtkino,
25. 10., 23.00
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