Victor Kossakovskys Trilogie "Ja was ljubil"
Lyalya liebt Pavel. Hat Sergej
Natascha lieb? Katja ist jedenfalls in Sascha verliebt. Drei
Romanzen hat der russische
Dokumentarfilmemacher Victor Kossakovsky in seinem
Film Ja was ljubil/ I Loved You
zusammen gestellt, drei Sprachen der "Liebe" von unterschiedlichen Generationen
mit ebenso vielen filmischen
Verfahren übersetzt.
Der erste Teil, Pavel i Lyalya, aus dem Jahr 1998 beschreibt den Besuch des Regisseurs bei einem seiner Lehrer, der jetzt in Jerusalem lebt.
Pavel ist schwerkrank und
wird von seiner Frau Lyalya
mit zärtlicher Hingabe gepflegt - ein Thema, das Feingefühl verlangt, dem Kossakovsky mit impressionistischem Gestus begegnet, wobei
er sein Nahverhältnis zu den
Porträtierten nicht verhehlt.
In einer wunderschönen
Szene erzählt Lyalya, wie man
sich mit alltäglichen Verrichtungen neuen Mut einflößt.
Die Kamera wendet dabei den
Blick allmählich von ihr ab,
filmt das Spiel der Sonnenstrahlen auf der Wand, bis
man aus dem Off ein leises
Weinen hört: Es handelt sich
um Kossakovsky selbst, und
prompt bittet ihn Lyalya, damit aufzuhören.
Pavel i Lyalya deutet aber
auch an einer Stelle, mit der
Beschneidung eines Kindes,
den Neubeginn an, den die
beiden folgenden Kapitel des
Films einlösen: Ein von endlosen Ritualen geprägtes Hochzeitsbankett am Land bildet
das Zentrum von Sergej i Natasha. Im Laufe der Zeremonie
erhält man nicht nur komische Einblicke in die Festgesellschaft, in Details lässt sich
auch die Unsicherheit des
Brautpaares in den neuen
Rollen ablesen.
Der Schauplatz von Sasha i
Katja, dem "improvisiertesten" Teil des Films, ist
schließlich ein Kindergarten:
auf Video stibitzte Momente
von ungebändigtem Begehren,
echten Tränen und maßloser
Eifersucht.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. 10. 2001)
Von
Dominik
Kamalzadeh
Stadtkino,
25. 10., 23.00