Beharrlichkeit in der Revolte

24. Oktober 2001, 02:01
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    "Sanam"

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    "Delbaran"

Jugend im Iran: Abolfazl Jalilis "Delberan" und Rafi Pitts' "Sanam"

Zwei eindringliche Arbeiten iranischer Filmemacher erzählen von jugendlichen Helden, die sich gegen eine ihnen feindlich gesinnte Umwelt zu behaupten versuchen - und scheitern: Abolfazl Jalilis "Delberan" und Rafi Pitts' "Sanam".


Der Polizist, der einzige Repräsentant des Staates, ist argwöhnisch. Er sieht in Kaim, dem rastlos schuftenden, afghanischen Burschen, bloß einen Illegalen. Für die meisten anderen jedoch, die dieses karge Grenzland des Iran bevölkern, ist er ein Helfer in der Not. Die Straße, eigentlich eher ein staubiger Feldweg, sichert zwar deren dürftiges Leben ab, schadet aber den Motoren. Geht einer kaputt, ist Kaim zur Stelle.

Der seltsam zerstreute Ort gibt dem Film des Iraners Abolfazl Jalili (Dan) den Titel: Delberan. Innerhalb des Neuen iranischen Kinos kommt ihm in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung zu: Nicht, dass man die elliptische Montage, die erst allmählich, über die Wiederholungen von nur leicht modifizierten Situationen ein soziales Gefüge offenbart, erstmals so leichthändig vorgeführt bekommt;

Jalili entscheidet sich jedoch mit seinem Fokus auf einen "Fremden" für einen dezidiert politischen, und er vermag von den täglich gleichen Verrichtungen seines Helden mit ungewöhnlich viel Humor zu berichten, indem er Pannen und andere Vorkommnisse sukzessive ins Absurde steigert.

Zugleich lässt sich Delberan aber auch als Parabel lesen, mit plötzlicher Aktualität: Gefahr ist für die Menschen ständig präsent, durch den nahen Krieg, der durch vereinzelte Schüsse auf der Tonspur widerhallt, und durch den Bau einer Umfahrungsstraße, die ihre Gemeinde von der Zivilisation abzutrennen droht. Wenn Kaim am Ende Nägel auf den Asphalt streut, dann ist sein Sabotageakt purer Überlebenswille.

Ein Außenseiter ist auch Issa, der kindliche Protagonist in Rafi Pitts' Debüt Sanam. Wie einen Westernhelden sieht man ihn im Close-up darin öfters dürren Landschaftspanoramen entgegengesetzt, etwa am Beginn, wo er Zeuge des Mordes an seinem Vater wird, der angeblich ein Pferd gestohlen haben soll.

Issa wird durch dieses Ereignis gleichsam stigmatisiert, die Gleichaltrigen schmähen ihn, und wie zum Trotz entwickelt er die selbe Passion für das Pferd wie sein Vater. Seine Mutter Sanam weigert sich unterdessen, nochmals zu heiraten, immer wieder spricht sie bei der Polizeistation vor und verlangt, dass der Fall vor Gericht kommt.

Sanam ist "armes" Kino in reinster Form. Die längste Zeit wird darin nichts gesprochen, die Menschen sind viel zu sehr mit - von Pitts ganz dokumentarisch verfolgter - Arbeit wie dem Aufsammeln von Strohballen beschäftigt. Wird doch geredet, dann gleichen die Gespräche endlosem hartnäckigen Feilschen, bei dem wenig heraus kommt, zu stur verharrt jeder auf seiner einmal gefassten Meinung.

Mehr noch als Delberan entwirft der Film derart das Bild eines "Volkes", der Tagelöhner, für das niemand spricht. Die Kamera bleibt den Menschen nahe, hebt die Gesichter oder Gesten hervor - wie Issas argumentierende Hände, die so gar nicht einem Kind entsprechen. Der Feind hingegen, ein feudaler Gutsherr, bleibt unsichtbar, einmal nur schleicht er wie ein Tier um die flehende Mutter herum. Und alles endet schließlich, wie es begonnen hat.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 10. 2001)

 Von
 Dominik
 Kamalzadeh


Delberan:

Metro,
22. 10., 21.00;

Künstlerhaus Kino,
23. 10., 13.30

Sanam:

Metro,
22.10., 11.00;

Gartenbau,
24. 10., 15.30
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