Küniglberg, erste Wahlrunde

2. November 2001, 16:30
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ORF-Stiftungsrat ist komplett - "Magenta" statt Knoll - mit Übersicht aller Mitglieder

"Das fängt ja gut an." Sagt Gerhard Weis, ORF-Generalintendant und möglicherweise Kandidat auch für die nächste Funktionsperiode. Er meint, nach mehreren Abstimmungspannen im ORF-Publikumsrat, offenbar den Wahlherbst auf dem Küniglberg.

Der Publikumsrat waltet Dienstag seines einzig wesentlichen Amtes: nach der Kür von Notariatskammerchef Georg Weißmann zum Vorsitzenden sechs seiner Mitglieder in den mächtigen Stiftungsrat zu entsenden.

Magenta statt Knoll

Drei müssen aus den Reihen der sechs vom Publikum gekürten stammen, allesamt kandidiert von SP oder Grünen nahestehenden Organisationen. Die evangelische Superintendentin Gertraud Knoll, eigentlich unter den drei Stimmenstärksten dieser sechs, wird nicht gewählt. Dafür die aus "Taxi Orange" bekannte - aber Dienstag abwesende - Andrea Konrad ("Magenta"). Der Vorschlag kam von Karl Guschlbauer (Landwirtschaftskammern).

Die "Publikums-Stiftungsräte"

Zudem im Stiftungsrat: Fritz Muliar und Stefanie Graf aus der Direktwahl, der unabhängige Caritas-Chef Franz Küberl, Uni-Rektor Leopold März und Museumschef Wilfried Seipl, beide bürgerlich.

Wählt der Stiftungsrat am 21. Dezember den nächsten ORF-General, wird es übersichtlicher: Der Publikumsrat stimmte auf Antrag geheim ab. Die Generalskür erfolgt offen.

Die Stiftungsräte der Regierung

Erst als sich die Publikumsräte zu ihren sechs Stiftungsräten durchgewurstelt haben, lüftet das Kanzleramt offiziell sein ORF-Geheimnis: neun Stiftungsräte der Regierung. Fünf fand die ÖVP, vier ihr Koalitionspartner. Darunter der bürgerliche Schauspieler Albert Fortell und Janet Kath, Interio-Chefin und Gattin des der FP nicht fern stehenden Billa-Bosses Veit Schalle.

Mit 16 ihr zuordenbaren Mitgliedern im Stiftungsrat kommt die ÖVP alleine nicht auf die zur Kür des nächsten ORF-Generals nötige einfache Mehrheit von 18 der 35 Mitglieder. Es sei denn, die Prognose des bürgerlichen Zentralbetriebsratschefs Heinz Fiedler tritt ein. Dass nämlich die fünf von der Belegschaftsvertretung des ORF gestellten Mitglieder einheitlich abstimmen wollten. Und so sich die dabei auf den Favoriten der ÖVP einschwören. Bei offener Abstimmung hätten dann aber die beiden SP-Vertreter unter diesen fünf wohl einigen Erklärungsbedarf.

Kopfschütteln

Zusammen mit sieben der FP zugerechneten Stiftungsräten ist die einfache Mehrheit sicher. Was die Chancen des besonders auf die Freiheitlichen setzenden Sportchefs Elmar Oberhauser deutlich erhöht, wenn schon nicht General, so Informationsdirektor des ORF zu werden.

Eine zweite Runde Weis' wird in VP-Regierungskreisen weiter mit heftigem Kopfschütteln bedacht. (fid, jed/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17. Oktober)

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