Filmtheater als Zeit im Bild

21. Oktober 2001, 13:39

Hiroshi Sugimotos Foto-Hommagen in der Galerie KlausEngelhorn22

Minimalismus inmitten des Dekors von Filmtheatern der 20er- und 30er-Jahre: Hiroshi Sugimotos Foto-Hommagen an das Kino machen dem Begriff Licht-Spiel-Theater alle Ehre. Eine "Viennale"-Ausstellung in der Galerie Klaus Engelhorn.


Wonneschauer und Nostalgie beim Gedanken an die wenigen wirklichen Kino-Paläste, die sich aus der goldenen Ära der Kinos, dem damaligen Theater für jedermann, erhalten haben. Gewaltige Lüster, Plätze mit Logen und Balkonen, die eine festliche Stimmung und ein Live-Erlebnis suggerieren, bis hin zu: Gleich steigt der Held von der Leinwand herab!

In der Welt der Cineplexxes, dem Komplex "Entertainment" zuzuordnen, verschwinden diese Movie Theaters - ein Begriff, den das Englische im Gegensatz zum Deutschen für jede Art der Kinos verwendet. Eine Hommage an diese US-Movie Theaters der 20er- und 30er-Jahre, ob als Innenraum-Architektur oder als Freiluft-Drive-In-Inszenierungen, liefert seit Ende der 70er-Jahre Hiroshi Sugimoto - nun auch im Rahmen eines Viennale-Specials in der Galerie Klaus Engelhorn mit 19 Großformaten und 51 Fotogravuren.

Foto: Viennale/Sugimoto
Tampa, FA

Seine gestochen scharfen, minuten- bis stundenlang belichteten - und daher menschenleeren - Schwarzweiß-Fotos implizieren natürlich noch mehr:vVon der Geschichte des Kinos, der Magie des Ortes über Aspekte von Zeit bis hin zu Fragen der Wahrnehmung schlechthin.

Was wurde zurzeit der Belichtung auf die nahezu überirdisch leuchtende, strahlend weiße Leinwand projiziert? Ein ganzer Film? Welcher? Und absurderweise enthält gerade die durch die Langzeitbelichtung leere, weiße Fläche das Maximum an Bildern, an Dichte, an Information. "Es ist nicht bloß weißes Licht", sagt Sugimoto, "es ist das Ergebnis von zu viel Information. Das heißt: Zu viel ist nichts, was mir einleuchtend erscheint."

Natürlich bietet dieses mit hoher technischer Präzision eingefangene magische Licht, das den magischen Ort von innen heraus anstrahlt und ausleuchtet, auch Verweise an die Kunstgeschichte, insbesondere die Minimal Art eines Carl Andre oder Dan Flavin, die sowohl streng konzeptuelle wie auch poetische Elemente in sich vereint.

Eines von Sugimotos Movie Theaters, diesmal in Osaka/ Japan aufgenommen, stammt von Tadao Ando, und hier spielt dieser Minimalismus eine bedeutendere, weil offensichtlichere Rolle: Das Foto des dekorlosen, modernen Kinos mutiert zum abstrakten Bild mit weißem Rechteck vor schwarzem Hintergrund. Diese Ästhetik führt auch - neben den Dioramas und Wax Museums - zu einer weiteren Serie des in New York lebenden Künstlers, den Seascapes, wo er Himmel und Meer zu einem abstrakten Bild einfriert.

Im Gegensatz zu hyperpräzise sind Sugimotos Aufnahmen von klassischer Architektur der Moderne, sie sind verschwommen, out of focus, bringen nach Ansicht des Künstlers die Idee des Gebäudes, zum Beispiel des New Yorker Chrysler Building, klarer hervor. Auch hier ist Sugimoto kluger Schöpfer von Projektionsflächen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 10. 2001)

 Von
 Doris Krumpl


Galerie
Klaus Engelhorn22,
1010 Wien,
Stubenring 22;
Eröffnung Sonntag,
21. 10., 18.00
(in Anwesenheit des Künstlers).
Bis 8. 11.
Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.