Brust oder Keule

27. Februar 2002, 15:50
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Nicht dass ich nicht eitel wäre, im Gegenteil: Die Tube mit teurer, Feuchtigkeit spendender und detoxifierender (was immer das auch ist) Gesichtscreme für alternde Männerhaut ...

... hat durchaus ihren Weg auf mein Badezimmer-Regal gefunden, und sogar der Ankauf eines elektrischen Nasenhaar-Schneiders wurde bereits überlegt.

Meine Eitelkeit hat jedoch ihre Grenzen, zum Beispiel, wenn es darum geht, mein Abbild neben einer Restaurantkritik zu sehen. Denn ein gewisses Maß an Anonymität ist für diesen seltenen (und angenehmen!) Beruf des Restaurantkritikers vielleicht nicht unbedingt obligatorisch, aber doch irgendwie moralisch okay. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar äußerst gering, dass ein Koch plötzlich besser kochen könnte, nur weil ihm der Oberkellner steckt, dass draußen ein Restaurantkritiker säße, und besseres Fleisch, frischerer Fisch oder knackigeres Gemüse lässt sich so schnell sicher auch nicht auftreiben. Davon, dass aber einfach größere Sorgfalt angewendet wird, dass die Portionen womöglich etwas stattlicher oder prächtiger sind, und vor allem, dass der Service so freundlich und zuvorkommend funktioniert, wie er eben funktionieren sollte, kann man schon ausgehen, wenn man als Kritiker erkannt oder vermutet wird. Ein Zustand, der also durchaus erstrebenswert.

Weshalb es sich dann ergeben kann, dass sich gewitzte Kerle eben solch eine bevorzugte Behandlung erwarten, indem sie in Restaurants vorgeben, einer der im Lande agierenden Kritiker zu sein. Was natürlich besonders dann erfolgversprechend ist, wenn es vom Original kein Foto gibt. Unlängst, so wurde mir von einem sehr guten Wirten aus Weiden am Neusiedlersee berichtet, wäre da zum Beispiel ein Florian Holzer bei ihnen gewesen, der zwar nicht reserviert, aber im Hinblick auf seine Position polternd auf einen Tisch bestanden hätte. Was im vollen Lokal aber einfach nicht durchzuführen war, weshalb sich der Mann dann angefressen und mit einem G’spritzten hinaus in den Regen gesetzt hätte.

Ich glaube jetzt zwar nicht, dass es sich hier um einen Fall von Amtsanmaßung im juristischen Begriff handelt, um eine ziemlich blöde Idee handelt es sich aber allemal. Denn erstens gibt es in unmittelbarer Nähe dieses Wirtshauses noch eine Reihe anderer, sehr empfehlenswerter Gasthäuser. Und zweitens trinkt man G’spritzten nicht im Regen, weil nämlich eh schon Wasser drin ist.

Von
Florian Holzer
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