Körndlfutter

27. Februar 2002, 15:51
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Dass fleischlose Ernährung im Trend liegt, muss einen nicht wundern: Fleischskandale, Hormone, wahnwitzige Haltungsbedingungen,...

Dass fleischlose Ernährung im Trend liegt, muss einen nicht wundern: Fleischskandale unter Beteiligung von Hormonen und „Kraftfutter“, wahnwitzige Haltungsbedingungen, mehr als nur grausame Schlachtungsabläufe, dazu die nachgewiesenermaßen wenig zuträglichen Eigenschaften eines Übermaßes an tierischem Fett und Cholesterol. Die vegetarischen Lokale - schick im Design und kreativ in der Programmgestaltung, also ganz nach dem Geschmack der urbanen Klientel - müssten nur so aus dem Boden schießen, sollte man meinen. Tun sie aber nicht.

Die Anzahl vegetarischer Lokale nimmt in Österreichs Städten zwar äußerst zögerlich zu, was man dort bekommt, hat aber nach wie vor eher mit Verzicht und Buße denn mit Vergnügen zu tun: hunderterlei Variationen von öder Kleie, faden Körndln, geschmacklosem Tofu, zerkochtem und ungesalzenem Gemüse, keine Spur von asiatischen, afrikanischen oder mediterranen Spezialitäten, im Idealfall von Geschmack, Farbe, Witz und Köstlichkeit nur so strotzend. Man geht da eher mit dem Selbstverständnis an die Sache heran, dass die vegetarische Küche eines Landes genauso lustig und lebhaft ist wie das Land selbst. Na danke.

Jüngst eröffnete am Wiener Naschmarkt das dritte Lokal einer Kette von taiwanesischen Restaurants, die sich dem Surrogat verschrieben haben: Hier wird in Asien industriell und aus diversen pflanzlichen Ersatzstoffen hergestelltes Pseudo-Fleisch und Fisch-Imitat gereicht, das mit Fantasie und mit Hilfe der bereits vor Ort zugefügten Aromastoffe tatsächlich so ähnlich aussieht und schmeckt wie echt. Und die Chancen für eine derartige Interpretation der fleischlosen Küche sind in Österreich wahrscheinlich nicht mal klein. Zum Glück gibt’s auch gute Nachrichten: Christian Wrenkh eröffnete ein weiteres Lokal in der Wiener Servitengasse. Irgendwie zwar blöd, dass er ein Monopol auf die geschmackvolle Veggie-Kost im Lande besitzt, aber besser so ein Monopol als nur fades Körndlfutter.





Von
Florian Holzer
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