Johannes Holzhausens "Auf allen Meeren", Martina Kudláceks "In the Mirror of Maya Deren" und Joerg Burgers "Moscouw".
Drei neue Arbeiten der Wiener Filmproduktionsfirma "Navigator Film", drei Modelle des Dokumentarischen: Johannes Holzhausens "Auf allen Meeren", Martina Kudláceks "In the Mirror of Maya Deren" und Joerg Burgers "Moscouw".
Wie eine alternde Diva liegt
die "Kiew" vor der Küste.
Zwar flößt sie durch ihre monumentalen Ausmaße immer
noch Respekt ein, aber an ihrer Schale hat sich längst der
Rost festgefressen. Der sowjetische Flugzeugträger ist ein
Auslaufmodell. Er wurde an
China verkauft, wo ihm, wie
schon einem anderen zuvor,
ein Weiterleben als Themenpark droht.
Auf allen Meeren, der lang
erwartete neue Dokumentarfilm von Johannes Holzhausen, nähert sich der "Kiew"
zunächst über Archivaufnahmen, in denen noch alles
neu ist, glänzt: Sie etablieren
das Schiff als (bildliches)
Symbol. Anschließend wird
es etappenweise auf seiner
letzten Reise begleitet. Im Mittelpunkt des Films stehen jedoch all jene Männer, die
einmal auf der "Kiew" gedient
haben: Vom Kapitän abwärts
werden sie von Holzhausen
aufgesucht, und in ihren Erzählungen wird deutlich, dass
die „Kiew“ etwas von ihrer
Kraft einmal an sie abgegeben
hat: Beinahe jeder von ihnen
hütet noch heute ein Objekt,
mittels dessen er sie sich in
Erinnerung ruft.
Mit etlichen komischen
Brechungen, wie etwa Gesangseinlagen, erzählt Auf allen Meeren vom Verlust einer
Utopie und entwirft so ein differenziertes Bild für die Widersprüchlichkeiten der untergegangenen Großmacht,
aber auch für die Zeit der
Orientierungslosigkeit, die auf
sie folgte.
Auf allen Meeren wurde von
Navigator Film produziert,
einer heimischen Produktionsfirma, von der gleich drei
Filme auf der Viennale gezeigt
werden: neben Holzhausens
Arbeit Martina Kudláceks In
the Mirror of Maya Deren sowie Moscouw, Joerg Burgers
bereits auf der Diagonale prämiertes Porträt der gleichnamigen Aktionistin.
1992 zunächst als Verein
gedacht, der Filmveranstaltungen (u.a. Retrospektive
Marcel Ophüls) realisierte,
entschied sich der Kern der
Gruppe, zu dem Johannes Rosenberger, Constantin Wulff,
Holzhausen und Burger gehören, 1996 dazu, eine Firma zu
gründen: mit Ausrichtung auf
Dokumentar- und Kurzfilme.
Zu ihren bisherigen Produktionen zählen Streifen von
Wilhelm Gaube, Dokumentarfilme wie Karin Bergers Ceija
Stojka oder auch kurzfristig
initiierte, politische Arbeiten
wie Zero Crossing. Eine Programmatik, die die neuen Filme weiterführen.
Auf allen Meeren ist der
Autorenfilm darunter, auf eine Kinoauswertung angelegt, Moscouw neigt mit seiner
ungewöhnlichen Bild/Ton-Montage bereits in den experimentellen Bereich, während
In the Mirror of Maya Deren
wiederum ein differenziertes
Künstlerinnenporträt ist, filmografisch strukturiert, das
heißt: Kudlácek arbeitet aus
den Filmen, mit Ausschnitten
aus Meshes of the Afternoon, At
Land u.a., den jeweiligen
Kontext des Lebens der Filmemacherin Maya Deren
(1911 - 1961) heraus, den "Gefährten“ wie Alexander Hammid, Jonas Mekas oder Marica
Vogel detailreich beschreiben.
Wenig bekannte Seiten Derens, wie ihre Begeisterung für
die "native culture" Haitis, treten dabei zum Vorschein. Eine
besonderes Gut hat Kudlácek
mit Tonbandaufnahmen Derens aus den Anthology Film
Archives gehoben, die nun ihre Arbeiten kommentieren:
"I was a poor poet before the
cinema", sagt sie da einmal -
eine Wertschätzung des Kinos, die sich in der Arbeit der
Navigatoren ausdrückt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 10. 2001)
Von
Dominik
Kamalzadeh
WANN UND WO
"Auf allen Meeren":
29.10., 21.00
Künstlerhaus
30.10., 16.00
Metro
"Moscouw":
26.10.,
18.30
Metro
27.10., 23.00
Stadtkino
"In the Mirror of Maya
Deren":
30.10., 21.00
Künstlerhaus
31.10., 16.00
Metro