Zitrone: Schluss mit vorgetäuschtem Interesse

19. November 2001, 12:49
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Steter Tropfen höhlt den Stein. Diesmal Saures für TV-Spot der Sparkasse

Einerseits konfrontiert uns die Wirtschaft mit einer Werbeflut. Andererseits picken die, die Werbung machen, an den immerselben Werbesujets fest. So stellt's sich zumindest hierzulande dar.
Witzig sind die wenigsten Werbungen, aber daran gewöhnt frau sich. Um Kundinneninformation geht's auch nicht allerweil; Short Stories, für die erdenklicher Casting-Aufwand betrieben wird, prägen die TV-Werbung. Und in beinah keiner darf eine appetitliche Frau fehlen. Was noch angeht, wenn diese dann nicht als dumpf-triebiges Un-Wesen dargestellt wird, wie in dem neuen "Sparkassen"- Spot. Der nämlich ist dermaßen blöd, dass ich an dieser Stelle gar kein anderes Wort wählen will. Schon gar nicht "blöd". Oder "blöd". Oder auch "blöd".
So viele Attribute verdient er sich. Und so viel Nachdenken. Das dürfte am ehesten die Denkleistung der Auftraggeber und der Macher widerspiegeln.

Zum Bildmaterial, wie es sich uns darstellt:
Ein hutzeliger männlicher Zeitgenosse, der sich als solcher dem (Achtung! Wortlaut Sparkasse) österreichweit einheitlichen Qualitätsstandard für die Veranlagung in Fonds, sogenannt "Best of Fonds", der Sparkasse nicht entzogen hat, plappert enthuasmiert über eben diesen und dessen wunderbare Welt. Eine weibliche Zeitgenossin (siehe Foto)

hört's und spürt's ganz intensiv unterhalb der Magengrube, "wie interessant" (der gewählte Slogan der Werbung) "Best of Fonds" doch ist. Das verlangt nach einer exaltierten Darstellung ihrer neu erwachten Leidenschaft, die so arg ist, dass sie nach körperlicher Ableitung des innerlichen Stimulationstumults verlangt. AAAAAAAHHH.
Andere Annahme: Sie beschäftigt sich damit schon längst daheim (siehe wieder Foto) und allein das Gerede eines Fremden über "Best of Fonds" bringt sie wie einen pawlowschen Hund zum reagieren, wie sie sichs angewöhnt hat zu reagieren. Ach nein: Eher kann sie sich nicht gegen diese Reaktion verwehren, das macht "Best of Fonds" ganz einfach mit ihr.
Oder nur, wenn ihr des Mannes von nebenan Worte auf die Sprünge helfen?

Als autonomisiertes Sexualverhalten lässt's sich beides nicht werten (Überraschung!). Allefälle richtet sich die Werbung nur an Männer. Und wer denkt, auch an Frauen, die ja anscheinend einen Vorsprung haben inbezug auf Interesse an Fonds, dem sag ich: Das ist vorgetäuschte Adressierung.
Bleiben noch die Fragen: War das überhaupt echt? Oder vorgetäuscht? Und: Vom Kopf her kann frau schwer Begeisterung empfinden?
Antworten: Ersteres: Wurscht. Aber sicher, ist ja Werbung. Zweiteres: Wenn das selbst Männer können, können wir's schon lange.
(bto)

08.10.2001
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