Zuckerl: Wer braucht schon Busen, um zu verkaufen?

18. Februar 2002, 11:54
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Der neue UTA-Werbespot besticht durch klischéefreie Frauengestalten

Eine Omi erklärt ihrer Enkelin zwischen Abendessen und Hauptabendprogramm die Möglichkeiten des Internet, ganz ohne Gebrauchsanweisung oder Opi, der ihr wissend über die Schultern blickt. Szenen, die das Leben schreibt, jedoch in der Werbung kein Äquivalent finden?

Der Telekomanbieter UTA beweist mit seinem neuen Werbespot Weitblick: Während die Enkelin nicht vom Fernseher loszueisen ist, weil sie unbedingt ihre Lieblingsserie verfolgen muss, kann ihr die Großmutter schon längst erzählen, was in dieser Folge passiert. Klarer Fall von Internetrecherche. Und aufgrund dieses Informationsvorsprungs lässt sich die Enkelin auch gleich von der netzerfahrenen Omi in die Geheimnisse des Internets einführen.

Sind Frauen, die barbusig aus Handy-Displays winken, nun also gar nicht mehr notwendig, um die Technologie-Affinität von Frauen (und wohl auch das Interesse der zahlkräftigen Männerschar) zu versinnbildlichen?

Es sieht fast so aus. Die UTA Werbung lässt jedenfalls weitverbreitete reaktionäre Klischées à la „Ältere Frauen haben kein Interesse an technologischem Fortschritt“ oder „Omis interessieren sich doch nur für Küche und Gute-Nacht-Geschichten“ alt aussehen. Dafür ein Riesenkompliment seitens der dieStandard-Redaktion!

Die Industrie tut gut daran, die Kaufkraft von älteren Menschen auch einmal positiv ins Licht zu rücken. Auch deshalb, weil das Klischée von der technologiefanatischen Jugend und damit einzig wahren Zielgruppe ein ebenso einseitiges Trugbild ist. (freu)

5.10.2001
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