"Nicht allzu viel handeln"

29. November 2001, 17:13
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William Sharpe rät Transaktionskosten zu reduzieren

Wien - "Don't do a lot of trading", also "nicht allzu viel Handeln" rät Wirtschaftsnobelpreisträger William Sharpe derzeit allen an einer Veranlagung in Aktien oder anderen Wertpapieren Interessierten. Das dauernde Ein- und Aussteigen auf den Kapitalmärkten kumuliere Kosten und komme daher zu teuer, so der Entwickler der "Sharpe-Ratio", der wichtigsten Performance-Kennzahl für Investmentfonds anlässlich der Vorstellung des "Gutmann Center of Competence for Portfolio Management" am Donnerstag in Wien.

Projekt mit der Universität Wien

Das von der Bank Gutmann gemeinsam mit der Wiener Universität und unter Einbindung international anerkannter Experten ins Leben gerufene Kompetenzzentrum für Portfolio-Management hat sich zum Ziel gesetzt, eine enge Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Praxis - die in den angelsächsischen Ländern eine lange Tradition hat - auch in Österreich zu ermöglichen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank Gutmann, Rudolf Stahl.

Kooperation mit der Forschung bring Synergien

Für Josef Zechner, Ordinarius für Finanzwirtschaft und Banken an der Universität Wien und Leiter des Gutmann Kompetenzzentrums, liegen die Vorteile der Kooperation in Synergien in der Forschung ("viele Entwicklungen gehen von der Praxis aus") und in der Lehre ("praxisnahe Beispiele"). Ein weiterer Vorteil liege in der leichteren Finanzierung von Forschungsseminaren. 15 Mill. S (rund 1 Mill. Euro) stellt die Bank Gutmann dem Kompetenzzentrum für fünf Jahre zur Verfügung.

Zechner sieht aber auch Vorteile für den Wiener Börseplatz. Durch das Kompetenzzentrum werde "brain power" und analytische Kreativität nach Wien geholt, der Börseplatz werde besser durchleuchtet und mit mehr Publizität versorgt, was erfahrungsgemäß auch Anleger anziehe.

Plattform für wissenschaftliche Beiträge

An konkreten Aktivitäten sei bisher unter anderem mit dem Academic Advisory Board eine Plattform für Beiträge von führenden Wissenschaftlern geschaffen worden, der etwa auch Sharpe angehöre. Auch seien Forschungsprojekte ausgeschrieben worden. Schon fixiert sind öffentliche Vorlesungen und Seminare sowie die Finanzierung von Doktorratsstipendien.

Laut Sharpe hat die Wissenschaft auf das Gebiet der Finanzen im Allgemeinen wahrscheinlich einen größen Einfluss ausgeübt als auf irgend ein anderes Gebiet. Die wesentlichste Botschaft an ein Portfolio-Management aus akademischer Sicht sei: "Investitionen sind riskant und keiner weiß, wohin die Märkte gehen oder welche Aktien über- oder unterbewertet sind. Das Risiko ist zentral", so Sharpe. Eine Anlageentscheidung sei immer eine Entscheidung unter Unsicherheit.

Sehr wichtig sei aber die Kommunikation mit den Kunden. Das Portfolio-Management umfasse zwar viele Disziplinen, sei aber nur ein Aspekt im finanziellen Leben der Menschen, relativiert Sharpe. (APA)

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