Krenn fordert "schärfere Beobachtung" des Islam in Österreich

18. November 2001, 20:50
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"Kein religiöses, sondern ein politisches Problem" - Kärntner FPÖ: Aussagen "grundsätzlich richtig" - Schönborn geht auf Distanz

Wien - Der St. Pöltner Bischof Kurt Krenn übt in einem Interview mit "Format" scharfe Kritik am Islam. Dieser sei geprägt von "einem gewissen Fanatismus und Nationalismus" und "widerspricht den Menschenrechten". Man dürfe eine "echte Auseinandersetzung nicht scheuen." Vom Staat erwartet der Bischof eine Überwachung des Islam, da dieser ein politisches Problem sei: "Man kann nicht sagen, nur weil das eine andere Religion ist, dürfen wir sie nicht beobachten".

In der Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit dem Islam ortet Krenn ein Fehldenken: "Wenn man über den Islam redet, meint man immer, das wäre eine ökumenische Frage. Aber das ist es nicht. Der Islam ist eine politische Religion und damit auch eine politische Frage - und der hat sich bei uns niemand recht gestellt." Die Auseinandersetzung mit dem Islam brauche das Christentum nicht zu scheuen, denn, so Krenn: "Vor allem müssen wir sagen - und das sage ich sehr überzeugt - dass wir Christen das bessere Maß der Humanität haben."

Man müsse jedenfalls "den gedanklichen und begrifflichen Strukturen im Koran mehr Aufmerksamkeit zuwenden", erklärte der Bischof. Es sei nicht gut zu sagen: "Das sind ein paar Fanatiker und der Koran ist generell unbedenklich". Dies müsse "zuerst einmal bewiesen werden."

Entsetzen bei der SPÖ

"Entsetzt" über die Äußerungen des St. Pöltener Diözesanbischofs Kurt Krenn im Zusammenhang mit der Rolle des Islam zeigte sich am Samstag die stellvertretende Kärntner SP-Vorsitzende und Landesfrauenchefin Melitta Trunk. Es sei "erschreckend", wie ein Kirchenmann auf das derzeit größte Problem der Welt - den Terror - reagiere, meinte sie gegenüber der APA.

Die Worte Krenns stünden laut Trunk in krassem Widerspruch zu den jüngsten Äußerungen von Papst Johannes Paul II., der zu Frieden zwischen allen Religionen aufgerufen habe. "Ich erwarte mir, dass die Österreichische Bischofskonferenz Krenn zur Ordnung ruft", sagte die SP-Politikerin. Und an die Adresse Krenns gerichtet meinte sie: "Wer Hass sät, wird Hass ernten".

FPÖ zeigt Verständnis

Als "grundsätzlich richtig" wertet die Kärntner FPÖ die Aussagen von Bischof Kurt Krenn zur Rolle des Islam. Angesichts der schrecklichen Terroranschläge in den USA gelte es, "die islamische Bewegung weltweit im Auge zu behalten", sagte FP-Klubobmann Martin Strutz am Samstag zur APA.

Der Kärntner ÖVP-Obmann Landesrat Georg Wurmitzer warnte hingegen vor einem "Pauschal-Urteil" gegenüber dem Islam. Die Äußerungen Krenns seien deshalb "nicht geeignet, dem Staat und den Menschen zu dienen", sagte er gegenüber der APA. Wurmitzer: "Ich kann den politisch Verantwortlichen nur abraten, sich von pauschalen Verurteilungen leiten zu lassen".

Strutz meinte demgegenüber, "der Schlüssel zur Verhinderung von Terror in Österreich" sei das Asylgesetz. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und FP-Klubchef Peter Westenthaler vorgeschlagenen verschärften Einwanderungsbestimmungen.

Schönborn distanziert sich

Deutliche Distanz zu den Islam-Aussagen des St. Pöltner Diözenbischofs Kurt Krenn lässt Kardinal Christoph Schönborn erkennen. Er verwies in diesem Zusammenhang laut einer Aussendung der Erzdiözese Wien auf jüngste Stellungnahmen des Papstes, wonach die katholische Kirchen hohen Respekt vor "dem authentischen Islam, der betet und mit den Armen solidarisch ist", habe. Religion dürfe niemals "Quelle des Konflikts" sein, zitiert Schönborn Johannes Paul II. (APA)

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