Mohammed Zahir Shah, afghanischer Ex-König

28. September 2001, 21:21
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In vierzehn Tagen wird er 87, Mohammed Zahir Shah, Exkönig von Afghanistan, der parallel zu den Kriegsvorbereitungen der USA gegen das Taliban-Regime aus der Versenkung geholt wurde. Angeblich wünscht sich Washington die Rückkehr des 1973 abgesetzten Monarchen, wobei jedoch realistischerweise niemand wirklich annimmt, dass er imstande wäre, die Regierungsgeschäfte selbst zu führen. Wenig Konkretes ist denn über die Pläne einer Art von "UNO-Verwaltung mit König", der dann angeblich als Integrationsfigur die Afghanen einen soll, bekannt.

Mit dem Einen der Afghanen durch den König ist das so eine Sache, auch wenn, mangels Alternativen, in den Jahren des afghanischen Bürgerkriegs Zahir Shah bei verschiedenen Gelegenheiten von verschiedenen Gruppen aufs Tapet gebracht wurde: Und meistens waren gerade die USA und Pakistan dagegen. Pakistan war Zahir Shah unheimlich, weil er, als er noch auf dem Thron saß, als potenzieller Betreiber einer großpaschtunischen Politik Unruhe unter die pakistanischen Paschtunen brachte, den USA, weil er sich, als Pakistan den Afghanen aus obigen Gründen die Passage zum Hafen in Karachi sperrte, Moskau zuwandte.

Letzteres spielt heute keine negative Rolle mehr, im Gegenteil, aber so mancher Experte sieht in den Plänen zur Restauration Zahir Shahs nur eine Perpetuierung der ewigen Hegemonialspiele der afghanischen Paschtunen, die ja nicht einmal untereinander ganz einig sind: Zahir Shah gehört zu den Durrani-Paschtunen, die jahrelang die Ghilzai von der Macht fern hielten, ganz abgesehen von den anderen zahlreichen Volksgruppen, die die Durrani-Könige nie so wirklich beherrschten und bei denen Zahir Shahs Integrationsfähigkeit auch heute zweifelhaft ist. Nicht dass die USA das nicht wüssten - offensichtlich konzentriert man sich eben im Moment auf die Paschtunen als Zielgruppe, aus ihnen rekrutierten sich die Führer der Taliban.

Zahir Shah kam als 19-Jähriger nach der Ermordung seines Vaters Nadir Shah 1933 auf den Thron - aber nicht an die Macht, denn die ersten zwanzig Jahre regierten de facto seine Onkel. 1953 machte er seinen Cousin und Schwager Prinz Mohammed Daud zum Regierungschef; 1963 entfernt, sollte ihn Daud 1973 stürzen - und selbst 1978 von prosowjetischen Offizieren gestürzt werden, die Ouvertüre zur Invasion. Der König fand sich relativ schnell mit seiner Exilierung ab, in Ischia hatte ihn der Sturz ereilt, in Rom sollte er künftig leben, wo ihm und seiner großen Familie (sechs Kinder, eine Tochter kam allerdings beim Putsch in Kabul ums Leben) zuerst eine stattliche Pension, später Unterstützung aus Saudi-Arabien das Leben erleichterte. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 29./30.9.2001)

Von Gudrun Harrer
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    bild: derstandard
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