Rund 500 Kinder sind in Österreich abgängig

5. Oktober 2006, 15:51
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Interpol: Großteil sind Ausreißer, in zwei Fällen weltweite Fahndung

Wien - Rund 500 Kinder und Jugendliche, die als abgängig gelten, beschäftigen derzeit die Sicherheitsbehörden in Österreich. Der überwiegende Teil der Fälle werde erfahrungsgemäß rasch gelöst, so ein Beamter von Interpol. Meistens handle es sich um "Ausreißer", die nach spätestens einigen Wochen wieder auftauchten. Drei- bis fünfmal pro Jahr werden jedoch vermisste Kinder Opfer von Verbrechen. Zuletzt ein Dreijähriger aus Tirol, der vergangenen Sonntag ermordet wurde. Sein Vater, der mutmaßliche Täter, legte ein Geständnis ab - DER STANDARD berichtete.

Rund 2100-mal nach abgängigen Minderjährigen gefahndet

Im Vorjahr wurde nach Angaben der Österreichsektion von Interpol rund 2100-mal nach abgängigen Minderjährigen gefahndet. 1950 Anzeigen wurden schließlich widerrufen, rund 150 aus dem Vorjahr sind noch offen.

Die steigende Mobilität liefert den Jugendlichen neue Möglichkeiten, per Bahn oder Flugzeug von zu Hause wegzukommen: "Heute haben wir oft Jugendliche, die sagen zur Zeugnis-Zeit: ,Jetzt setz' ich mich in den Flieger und fahr' nach Griechenland.' Dort bleiben sie dann zwei, drei Wochen - ohne Wissen der Eltern", heißt es bei Interpol. Derzeit seien in zwei heimischen Fällen auch Behörden in Nachbarländern eingeschaltet: Im März 1998 verschwand in Wien die damals fast zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Heimweg von der Schule spurlos. Seit 23. August dieses Jahres wird auch der zehnjährige Pedro Emanuel weltweit gesucht. Der Bub aus Angola, der mit seiner Familie in einer Betreuungsstelle in Thalham (Oberösterreich) lebte, kehrte von einem Spielplatz nicht mehr zurück.

Rechtshilfeansuchen aus dem Ausland häüfen sich

In Österreich häufen sich Rechtshilfeansuchen aus dem Ausland. Allein aus Osteuropa werden den heimischen Behörden im Lauf des Jahres rund 500 Fälle gemeldet, bei denen der Verdacht besteht, dass sich die Abgängigen in Österreich aufhalten. Wenn Eltern ein Kind vermissen, rät man bei der Interpol, sofort die nächste Sicherheitsdienststelle zu informieren. Neben der polizeilichen Fahndung gibt es zahlreiche private Initiativen, die via Internet nach vermissten Kindern suchen. (APA, simo, DER STANDARD Print-Ausgabe 28 September 2001)

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