Der Wienerwald als Biosphärenpark?

26. September 2001, 15:03
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Der "Hauswald" der Hauptstädter feiert sein eigenes Millennium

Wien - Der Wienerwald feiert Millennium: Im kommenden Jahr ist es 1.000 Jahre her, dass das Gebiet im Rahmen einer Schenkung von Kaiser Heinrich II. an die Babenberger erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich, Michael Häupl und Erwin Pröll, stellten am Mittwoch in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten die Aktivitäten vor, die die beiden Bundesländer anlässlich dieses Jubiläums planen.

Beide Landesoberhäupter betonten die enorme Bedeutung des 170.000 Hektar großen Naherholungsraums für Wien und die 53 niederösterreichischen Wienerwaldgemeinden. Es gelte, den Wienerwald als "kostbaren Naturbereich", aber auch als Kulturlandschaft zu schützen, betonte Häupl. Pröll sprach von einem "sensiblen Biotop und kulturellem Erbe", bei dem die Gemeinden eine besondere Verantwortung zu tragen hätten.

Das Fest

Mit den kommenden Jubiläumsfeierlichkeiten wolle man vor allem "dem Wiener zeigen, dass er nicht außerhalb der Natur lebt", sagte Häupl zu den Jubiläumsveranstaltungen. Den Auftakt macht dabei "Ein Fest für den Wienerwald", das am 6. Oktober auf dem Wiener Cobenzl gefeiert wird. Neben einem umfangreichen Musikprogramm stehen dabei unter anderem Schnupperwandern mit der Wünschelrute oder ein Wienerwaldquiz auf dem Programm.

Von Mitte Mai bis Ende Oktober 2002 findet eine gemeinsame Ausstellung der beiden Bundesländer in der Kartause Mauerbach statt. Unter dem Titel "G'schichten aus dem Wienerwald - vom Urwald zum Kulturwald" soll die Ausstellung den Wandel der Region vom unberührten Wald zu einem der wichtigsten Träger österreichischer Identität illustrieren. Zum Abschluss ist ein Jubiläumsfest auf dem Wiener Rathausplatz geplant. "Da kommt der Wienerwald in mein Vorgart'l", freute sich Häupl.

Biosphärenpark oder Nationalpark?

Für die Einrichtung eines "Biosphärenparks" im Wienerwald haben sich am Mittwoch die Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich, Michael Häupl und Erwin Pröll ausgesprochen. Skeptisch zeigten sich beide dagegen zum wiederholt geforderten Nationalpark. Die internationalen Kriterien dafür seien nur schwer zu erfüllen, außerdem wäre der Weg zur Nationalpark-Errichtung "mit Milliarden an Entschädigungen gepflastert", so Pröll.

"Biosphärenpark" ist ein von der UNESCO vergebenes Gütesiegel, das bisher an 393 Regionen in 94 Ländern verliehen wurde. Aus Österreich sind bereits 1977 der Gossenköllesee (Tirol), der Gurgler Kamm (Tirol), der Neusiedler See (Burgenland) und die Lobau (Wien/Niederösterreich) in die Liste aufgenommen worden, im Jahr 2000 kam noch das Große Walsertal (Vorarlberg) dazu.

Erfordernisse

Die Kriterien der UNESCO beziehen sich vor allem auf nachhaltiges Wirtschaften und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Gefordert wird unter anderem eine Kernzone, in der sich die Natur vom Menschen möglichst unbeeinflusst entwickeln kann. Diese Zone muss aber nicht mehr als drei Prozent der Gesamtfläche ausmachen.

Für Häupl wäre dies ein Modell, um die Interessen von Anrainern, Wirtschaftsbetrieben und Naturschützern im Wienerwald unter einen Hut zu bringen. Er wünsche sich nun eine breit geführte Diskussion mit allen Beteiligten. Allerdings: "Ich halte nichts davon, dass das in pseudoreligiöser Form geführt wird." Auch Pröll bekundete seine Präferenz für den Biosphärenpark: "Die Erholungsfunktion des Wienerwalds wird auch in Zukunft unser großer Stolz sein", bei einem Nationalpark wäre diese Nutzung aber wesentlich eingeschränkt. Häupl und Pröll wollen nun das Potenzial für einen Biosphärenpark von Experten prüfen lassen, Zeitplan gibt es noch keinen. (APA)

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