New Yorker-Geschichten der anderen Art

28. September 2001, 13:43
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Suzanne Vega meldet sich mit "Songs in Red and Grey" wieder zurück. Ein sehr persönliches Werk

"Ich heiße Luka.
Ich wohne im 2. Stock.
Direkt über dir.
Ja, du hast mich schon mal gesehen.
Wenn du spät nachts was hörst: Sreiten, Kämpfen –
Frag mich nicht, es es war. Niemals..."

Suzanne Vegas größter Erfolg "Luka", veröffentlicht im Frühjahr 1987, erzählt eine Geschichte von Kindesmissbrauch, begleitet von lebensfroher Musik. Die Lyrikerin, Komponistin, Gitarristin und Sängerin brachte damit nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Debatte über Gewalt gegen Kinder ein, sie wurde der Inbegriff für "New Waif" (abgeleitet von "New Wave" und "New Wife").
Mit ihrer klaren Stimme, meist nur minimal von Instrumenten begleitet, erzählt sie kleine, sensible Geschichten, die nicht selten "weh tun", unter die Haut gehen, das Gefühl ansprechen.
Keine Musik für das schnelle nebenbei, sondern eine Musik der Zuwendung. New Yorker-Geschichten der anderen Art; Streitgespräche, Trennungsgespräche, Nervenzusammenbrüche, Traurigkeit ... mit einer leichten Selbstverständlichkeit erzählt.

Folk City

Ihre Karriere startete Suzanne Vega, geboren am 11. Juli 1959 in Santa Monika (Kalifornien). Bereits mit 9 Jahren begann sie Geschichten zu schreiben und mit 14 schrieb sie ihren ersten Song. Versuchte es mit dem Tanzstudium – merkte bald, dass Musik ihre Berufung war. Gitarre spielen lernte sie sich selbst und schrieb während ihrem Studium an einer Hochschule für darstellende Kunst Songs, inspiriert von Musikern wie Lou Reed und Leonard Cohen. Ihre Karriere startet sie in Folk City (Greenwich Village), wo einst auch Bob Dylan begann.

1984 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag. Ihr erstes Album "Suzanne Vega" erschien ein Jahr später und wurde gleich ein internationaler Erfolg. Die Kritik war begeistert von ihrer Unverkrampftheit, ihrer Authentizität. Mit ihrem zweiten Album "Solitude standing" (1987) schloss sie an ihr Debüt an, und schrieb sich mit dem Song "Luka" in die Musikgschichte ein. Ihr A-cappella-Stück "Tom’s Diner" wurde von dem Dancepop-Duo "DNA" (1990) verpfuscht: Mit Synthezisern neu aufgemischt eroberte das Stück als unautorisierte Disco-Version die Charts. Der größte Hit entstand sozusagen aus der Vergewaltigung ihrer Arbeit.

Emotion und mystische Symbolik

Das dritte Album "Days of open Hand" (1990) ist geprägt von tiefer Emotion und mystischer Symbolik – ein in sich geschlossenes Werk. Mit "99.9F°" (1992) löst sich Suzanne Vega von ihren ruhigen und akkustisch begleiteten Balladen. Sie passt sich den neuen Strömungen an, nutzt die technischen Neuerungen und deren Beats. Dann folgt "Nine Objekts of Desire" (1996). Eine Fortführung von "99.9F°", jedoch mit Wiederaufnahme des einfachen Stils von früher mit der Zutat Bossa Nova.

Zeit vergeht, in der sich Suzanne Vega unter anderm als Buchautorin versuchte. "The Passionate Eye: The Collected Writing of Suzanne Vega" (Spike/Avon Books und Harper Collins, April, 2001). Sie engagierte sich für die Rechte der Kinder, arbeitete mit Amnesty International und Casa Alianza, zusammen.

Aufzeichnungen eines Übergangsstadiums

Jetzt meldet sich Suzanne Vega mit "Songs in Red and Grey" auch wieder musikalisch zurück, und schließt damit stilistisch an ihr Erfolgsalbum von 1987, "Solitude Standing", an. Zwischen modern und "unplugged" bewegt sich "Songs in Red and Grey" zwischen eigener musikalischer Vergangenheit und Zukunft – die Aufzeichnungen eines Übergangsstadiums. "Im Kontext mit der Musik steht "Red" für die Leidenschaft, das Herz. "Grey" mehr für die rationale Seite. Es geht darum Gegensätze zu vereinen", so Suzanne Vega.

"Red" ist auch das Symbol für die Jugend, "Grey" das der erwachsenen Reife. Suzanne Vega erzählt von Verlust, Distanz, ("Windows Walk", "Harbor Song"). Beschuldigt ihren Ex-Liebhaber, sie nur als Ausgabe des Mad-Magazins gesehen zu haben ["(I'll Never Be Your) Maggie May", "Machine Ballerina"]. Sie vermittelt eine Stärke, aber auch eine fragile Zerbrechlichkeit, begleitet von einer gelassenen Ruhe in der Stimme. "Es ist ein viel persönlicheres Album als die anderen es waren" , erklärt die Sängerin. "Die Songs auf "Red and Grey" sind meine eigene Sicht der Dinge, was sehr ungewöhnlich für mich ist. Wenn du über dein Leben schreibst, sorgst du dich, dass es zu persönlich wird. So benutze ich Methapern, um die Aussagen kraftvoller zu machen. Meine Stärken waren immer meine Gitarre und meine Lyrics." In "Red and Gray" kehrte sie zurück zu den "Greenwich Village Songwriter's". So wurde "Songs of Red and Gray" in gewisser Weise ein intensives Portrait von Suzanne Vega .

"I wait to hear your voice,
the word you say
I wait to see your sign
could I obey?"

(pd)

1985: "Suzanne Vega"
1997: "Solitude Standing"
1990: "Days of Open Hand"
1992: "99.9F°"
1996: "Nine Objekts of Desire"
2001: "Songs in Red and Grey"
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