Terror in den USA: Eine Stimme vertont Weitsicht

13. Februar 2003, 20:09
posten

Zuckerl für Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Die Deutsche Regierungskoalition hat am 19. September über den "Bündnisfall", dem gemeinsamen Vorgehen der NATO gegen terroristische Gruppierungen und deren (staatliche) Förderer, per Entschließungsantrag befunden.
Das Ergebnis brachte ein klares Votum für die Unterstützung der USA in ihrem Krieg gegen "den" Terrorismus, mit allen denkbaren militärischen Konsequenzen.

Dr. Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Publizistin, hat sich der Stimme enthalten, und sie gegen Kriegshandlungen von westlicher Seite erhoben.
Die evangelische Theologin und u.a. Hannah-Arendt-Preisträgerin, die seit 1994 wieder Bundestagsabgeordnete für Die Grünen ist, zeichnete in einem Interview mit der "Zeit" ein Bild ihrer Vorstellung von Konfliktbewältigung in Zeiten eines durch die durchgängige martialische politische Rhetorik evozierten Bedürfnisses innerhalb der US-Bevölkerung nach Vergeltung:

"Es bedarf es einer neuen, international koordinierten Außenpolitik, die den Nährboden aus Ohnmacht, Verzweiflung und Demütigungen zu beseitigen beginnt, der diesen Sekten ihren Nachwuchs zuführt."
Einem archaischen Reaktionsmuster auf Katastrophen, wie sie in den USA passiert sind, darf nicht nachgegeben werden, schon gar nicht wenn sie in eine von der Dominanz der staatsräsonalen Maßnahmen zur Sicherung der nationalstaalichen Souveränität geprägten Kreuzzugsmentalität übergehen.

Sie spricht sich für eine internationale Friedensallianz aus, für eine gemeinsame Willensbildung in Europa, dessen Gesellschaften mehrheitlich gegen militärische Aktionen sind. Für eine im eigentlichen Sinne demokratische Handhabe mit diplomatischem Getriebe, in dem unterschiedliche Positionen zum Tragen kommen:
"Nie wieder darf irgendein westlicher Staat eine dieser Gruppen im Entstehen unterstützen, nur weil er glaubt, dass es ihm kurzfristig nützt. Im Irak, bei der UÇK, bei den Taliban selbst finden wir den Zauberlehrlingseffekt aus früherem Fehlverhalten. Das zweite wäre, die Globalisierungsfolgen wirklich ernst zu nehmen, das heißt, Genua und New York zusammenzudenken. Wir müssen drittens darüber diskutieren, ob auf Dauer ein unilaterales Modell wirklich erfolgreich sein kann. Gegen unilateralistische Mächte bilden sich - wie die Geschichte zeigt - immer Gegenpole. Viertens muss es für stark gekränkte Kollektive eine legale Adresse geben, beispielsweise einen internationalen Gerichtshof für Minderheitenfragen, der Menschenrechts- und Minderheitenfälle zur Anklage bringt. Denn es sind diese ungelösten Konflikte, aus denen der Terrorismus seine tödliche Energie zieht."

Wir danken Antje Vollmer für ihre Stimme.
(bto)

24.09.2001

Homepage von Dr. Antje Vollmer
Share if you care.