Schau mir in die Augen

24. September 2001, 17:34
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Mittels Gesichtserkennung suchen Überwachungskameras nach Verdächtigen

Wien - Gesichtserkennung wird eine Schlüsselrolle bei der Verhinderung künftiger Attentate zugeschrieben. Ein nach den Anschlägen vom 11. September eingesetzter Ausschuss der US-Regierung wird empfehlen, bereits in den nächsten Wochen Systeme zur Gesichtserkennung auf Flughäfen zu installieren und einzusetzen, berichtete die Washington Post.

Unter den ersten US-Flughäfen, die so aufgerüstet werden sollen, ist der Logan Airport in Boston vorgesehen, von dem aus zwei der entführten Jets gestartet sind.

Technologie seit längerem vorhanden

Gesichtserkennung ist eine seit längerem vorhandene Technologie. Dabei werden Gesichtszüge anhand von Merkmalen wie Gesichtsform, Abstand von Augen, Nase und Mund so erfasst, dass eine Art unverwechselbarer "Gesichtsabdruck" (ein Algorithmus) entsteht, der von aktuellen Veränderungen wie Haarlänge, Bart oder Brille nicht betroffen sein soll.

Bisher war für die Erkennung, die unter anderem bereits bei Bankomaten oder dem Zugang zu Computern angewendet wird, eine bestimmte Position des Gesichts gegenüber der Kamera erforderlich. Inzwischen wurden jedoch Möglichkeiten entwickelt, auch mit Aufnahmen aus ungünstigen Kamerawinkeln - wie sie für Überwachungskameras typisch sind - zu arbeiten.

Abgleich mit Datenbank

Die Bilddaten aus Überwachungskameras werden dann mit vorhandenen Bildern einer Datenbank verglichen, was in "Echtzeit" - also in Sekunden - erfolgen muss. Damit eine Erkennung auf breiter Basis funktioniert, müssen international abfragbare Datenbanken mit entsprechendem Material erst erstellt werden - ein technisch wie politisch schwieriges Unterfangen, das auf große Besorgnis bei Bürgerrechtsgruppen stößt. Erst im Juli haben sich Regierungen und Hersteller auf das "Biometric Application Interface" als Kompatibilitätsstandard geeinigt.

"Flughäfen sind eine natürliche Umwelt für diese Technologie", sagt Joseph Atick, CEO des US-Anbieters Visionics Corporation, dessen FaceIt Produkt von einer Reihe von Polizeibehörden eingesetzt werden. "Sie sind Orte, an denen Menschen ihre Identität nachweisen müssen und wo es nötig ist, Menschen auf Entfernung, in Bewegung und inmitten einer Menge zu identifizieren. Wachsende Passagierzahlen rufen nach einer Automatisierung des Check- in-Vorgangs, während Sicherheit vor Terroristen und Kriminellen gefragt ist. Gesichtserkennung ist das einzige biometrische Verfahren, das dafür infrage kommt."

Vorreiter

Visionics und Viisage Technology Inc. (deren Kurse seit den Anschlägen um rund ein Drittel auf Rekordhöhen gestiegen sind) gehören zu den Vorreitern dieser Technologie, an der europäische Regierungen bereits bisher stark interessiert waren. So ist der Flughafen im isländischen Reykjavik, wie der Standard berichtete, seit Juni mit einem Gesichtserkennungssystem ausgestattet. Birmingham erprobt seit April in einem groß angelegten Versuch die Gesichtserkennung und will damit Kriminalitätsziffern gesenkt haben.

In Österreich, sagt der Sprecher der Generaldirektion für öffentliche Sicherheit, Rudolf Gollia, sind solche Systeme noch nicht in Verwendung. Auch "gibt es derzeit keine Absichten in diese Richtung". (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 25.9.2001)

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