Ungarisches Graurind wird Hoffnungsträger für den Speisezettel

23. September 2001, 17:58
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Vom Aussterben bedrohtes Steppenrind erlebt eine Renaissance

Eisenstadt - Mit der Errichtung des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel hielt eine vom Aussterben bedrohte alte Haustierrasse im Seewinkel wieder Einzug: das ungarische Graurind. 1994 begann die Zucht mit nur einem einzigen Graurinder-Paar, heute grast eine Herde von 200 Stück im Seevorgelände. Und Jahr für Jahr kommen 50 Junge und mehr zu Welt. Mittlerweile wird das Fleisch der Tiere vermarktet.

Vor allem Gastwirte aus der Region sind an dieser Spezialität, die auch von in- und ausländischen Gästen gerne verkostet wird, interessiert. Der Gastwirt Friedl Tschida aus Apetlon ist zum zusätzlichen Angebot begeistert: "So oft wie möglich steht bei uns Grau- oder Weiderind aus dem Nationalpark auf der Karte. Die Gäste fragen bereits danach. Leider ist das Fleisch - da es nicht genug Schlachtvieh gibt - nicht immer zur Verfügung."

Herde soll noch weiter verschont werden

Tiere sollen vor Zuwachsen und Verbuschung bewahren Derzeit werden nur 40 bis 50 Stiere geschlachtet; der weibliche Nachwuchs bleibt derzeit überhaupt noch verschont, denn die Herde soll noch weiter vergrößert werden. Mit dem Graurinder-Projekt bewährt sich mehrfach, wie Nationalparkdirektor Kurt Kirchberger erläutert: "Erstens soll ein neues Produkt für die regionale Küche auf den Markt gebracht werden, zweitens sollen die Tiere die Hutweiden vor dem Zuwachsen und der Verbuschung bewahren, und drittens sind die Graurinder längst eine Touristenattration, wenn sie mit ihren mächtigen Hörnern majestätisch über die Weiden ziehen."

Im 14. bis 18. Jahrhundert geschätzte Rasse

Die Ansichten über die Herkunft der Graurinder gehen auseinander. Jedenfalls waren die Tiere vom 14. bis 18. Jahrhundert weit über Ungarn hinaus eine sehr geschätzte Fleischrasse. Als im 19. Jahrhundert die Landwirtschaft intensiviert wurde, entstand aus dem Steppenrind ein hervorragendes Arbeitstier. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ging der Bestand aber drastisch zurück.

Interesse an den Graurindern wächst

Mittlerweile ist das Interesse an den Graurindern wieder gewachsen. Sowohl im ungarischen als auch im burgenländischen Teil des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel grast wieder eine große Herde. "Wir wollen unseren Beitrag zur Erhaltung alter Haustierrassen auf jeden Fall leisten, denn Tiere gehören zu den ältesten Kulturdenkmälern der Welt. Hier im Nationalpark haben wir die Chance dazu", so Direktor Kirchberger.(APA)

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