Doppelnamen

8. November 2001, 12:23
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+ + + PRO

Roman Maria David-Freihsl

Irgendwann einmal muss es ja heraus: Roman Freihsl ist nur die halbe Wahrheit. Das sind wirklich nur 50 Prozent. Denn eigentlich gibt es da vier Namen. Zum einen der zweite Vorname: Maria - der kam von der großmütterlichen Taufpatin. Und da gab es einst (Ex)freunde, die versucht hatten, mich deshalb "Mizzi" zu nennen. Zum anderen ist Freihsl genau genommen nur Teil zwei der Nachbenamsung. Denn seit fast schon acht Jahren steht ein David- davor. Die Eltern hatten anfangs geschluckt, als sie von diesem Entschluss erfuhren: David - der gemeinsame Familienname. Und Freihsl - fortan nur ein nicht mehr vererbbares Anhängsel. Das mit dem Beibehalten beider Nachnamen war damals rechtlich noch nicht möglich. Ein Argument überzeugte dann: Warum sollen immer nur die Frauen ihre Namen ablegen?

Jahre vergingen. Und jetzt? "Du Heuchler", grummelte meine Frau, als sie hörte, dass ich hier für Doppelnamen argumentieren würde. Was soll sie auch sonst zu einem sagen, der im Standesamt auf leiwand tat, dann aber den angenommenen Doppelnamen beharrlich seinen Lesern vorenthält? Was zur Folge hat, dass sie - die Immer-noch-Frau-David - ständig von Unwissenden als "Frau Freihsl" angesprochen wird. Das nervt. Aber andererseits: Es gibt kaum Besseres als so ein Doppelleben. Wenn der Freihsl nach Dienstschluss als anonymer David daheim untertaucht. Roman Maria David-Freihsl

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- - - CONTRA

Michael Fleischhacker

Schön für Herrn Nostradamus, noch schöner für die Eigentümer seiner Rechte, dass er jetzt überall ausverkauft ist. Ich selbst habe dazu nichts beigetragen. Ich habe mir ganz bewusst eine Bildungslücke beigefügt und Herrn Nostradamus nie gelesen. Ich brauche Herrn Nostradamus nämlich nicht: Bei der Vorhersagung jener Katastrophen, die unmittelbar bevorstehen und die mich unmittelbar berühren - schlechte Texte, Zuspätkommen in den Kindergarten, allwissende Kollegen - bin ich selber schon ganz gut. (Ich kann sogar einen Zusammenhang zwischen der Mundwinkelneigung mancher Autoren und der Tendenz ihrer schriftlichen Äußerung herstellen, ehrlich.)

Und was die großen Katastrophen betrifft, halte ich mich lieber an die zeitgenössischen Kollegen des Herrn von Notre Dame. Wenn ich zum Beispiel etwas über die Art und Weise wissen will, wie der Islam nächstens über uns kommen wird mit Feuer und Schwert, frage ich den Bischof von St. Pölten. Und wenn mir scheint, ich sollte etwas über die apokalyptischen Auswirkungen gentechnisch veränderter Nahrungsmittel erfahren, schlage ich die Krone auf: Schon beim schieren Anblick von Genmais werde ich erblinden, lässt mir Hans Dichand ausrichten. Also lass ich's dann einfach.

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