Kampagne in Österreich gegen drei Atommülllager in Bayern

20. September 2001, 13:46
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Wieviel Restrisiko ist zumutbar?

Linz - Oberösterreichs Atomgegner starten jetzt - ähnlich wie ihre Mitstreiter in anderen Bundesländern - eine breit angelegte Kampagne gegen drei Atommülllager im benachbarten Bayern. Man will Tausende so genannter "Einwendungen" zu Stande bringen, um die Errichtung dieser Lagerstätten für ausgediente Brennelemente nicht nur zu verzögern sondern überhaupt zu verhindern. Durch die Terroranschläge in den USA sehen sich die Atomgegner in ihren Bestrebungen bestärkt.

AKW Isar: 1.500 Tonnen abgebrannte Brennelemente

Die Oberösterreichische Plattform gegen Atomgefahr präsentierte am Donnerstag Details des jetzt voll einsetzenden Kampfes gegen das beim AKW Isar in Bayern - 60 Kilometer von der oberösterreichischen Grenze - geplante Atommülllager mit einer Kapazität von 1.500 Tonnen abgebrannter Brennelemente. Betreiber ist der bayerische Stromkonzern E.ON. Zwei weitere Lager seien, so die Atomgegner, in Bayern bei den Atomkraftwerken Gundremmingen und Grafenrheinfeld geplant. In allen drei Fällen laufen derzeit die Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Sicherheitsbedenken

Im Rahmen dieser UVP hat auch Österreich beziehungsweise jeder einzelne Bürger die Möglichkeit, "Einwendungen" auf Grund von Sicherheitsbedenken vorzubringen. Diese werden dann bei "Erörterungsverfahren" zur Sprache gebracht, die Betreiber müssen dazu Stellung nehmen.

Gegen die drei Lagerprojekte liegen bereits 130.000 Einwendungen vor

In Bayern liegen laut Auskunft der Plattform gegen Atomgefahr gegen die drei Lagerprojekte insgesamt schon an die 130.000 Einwendungen vor. Auch die bayerische Staatsregierung sei gegen die Errichtung der Lager. Nun starten in Österreich, vor allem in den an Bayern grenzenden Bundesländern, ebenfalls die Einwendungsverfahren. "Wir gehen davon aus, dass wir an die 80.000 Einwendungen von Österreicherinnen und Österreichern zusammen bringen werden", so Josef Pühringer von der Plattform bei der Pressekonferenz. Vorzubringen sind die Einwendungen bei den Bezirksverwaltungsbehörden, die Plattform stellt entsprechende Vordrucke und Informationsunterlagen zur Verfügung.

Vorgelegte Dokumente seien widersprüchlich

Laut Pühringer gebe es bei den geplanten Atommülllagern gravierende Sicherheitsbedenken, die bisher vom Betreiber vorgelegten Dokumente seien widersprüchlich, unvollständig und würden auf schwerwiegende Gefahren zu wenig eingehen. Geplant sei, so wurde bei der Pressekonferenz erläutert, beispielsweise beim Lager Isar die Errichtung einer Betonhalle für 152 "Castoren", also Behälter mit ausgedienten Brennelementen. 40 Jahre lang sollen diese Brennstäbe dort in den Castoren "zwischengelagert" werden. Pühringer: "Ein einziger Castor enthält mehr radioaktives Inventar als bei der Tschernobylkatastrophe freigesetzt worden ist".

Lager seien nicht ausreichend gegen Terroranschläge gesichert

Vor allem sei das geplante Lager aber nicht ausreichend gegen Terroranschläge wie Flugzeugabstürze mit Explosionen und Bränden gesichert. Im Hinblick auf das Datum der Anschläge in New York und Washington hieß es bei der Pressekonferenz der Plattform: "Das Argument der Betreiber eines 'zumutbaren Restrisikos' für die Bevölkerung als Rechtfertigung für ungenügenden baulichen Schutz der Atommüll-Castoren ist seit dem 11. September 2001 nicht nur grob fahrlässig, sondern verantwortungslos und kriminell". (APA)

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