Kopenhagens Hippie Staat "Christiania" feiert 30. Geburtstag

18. September 2001, 15:28
posten

Soziales Experiment wurde zur Touristenattraktion

Kopenhagen - Tausend Bewohner des Kopenhagener "Freistaates Christiania" feiern von Freitag an eine Woche lang den 30. Geburtstag ihres Domizils.

Hippiestaat ohne Autoverkehr

Am 26. September 1971 hatten hier mitten im Zentrum der dänischen Hauptstadt junge Leute ein verlassenes Kasernengelände in Beschlag genommen und zu einem in Europa beispiellosen sozialen Experiment umgestaltet. Trotz zahlreicher Gerichtsprozesse und anderer Anläufe diverser Bürgermeister und Minister, der ungeliebten Dauer-Besetzung durch die alternative Szene ein Ende zu bereiten, hat sich der nicht zuletzt vom Autoverkehr freie "Freistaat" stets halten können und gilt heute schon als unverzichtbare Touristenattraktion.

Die ersten Jahre waren ohne Steuern

Bis zum eigentlichen Jubiläumstag sollen Musik- und andere Veranstaltungen die wechselvolle Geschichte von Christiania dokumentieren, wo in den ersten Jahren mehrere tausend Bewohner keine Steuern zahlten, der Polizei weitgehend erfolgreich den Zutritt verwehrten und ihr Zusammenleben fast vollständig autonom regelten. Heute sind die meisten Kleinbetriebe ebenso legalisiert wie die Mietverhältnisse.

Als Tiefpunkte aus Sicht der meisten Bewohner gilt der zeitweilige Ausbreitung des Handels mit "harten" Drogen einschließlich Heroin. Dieses Problem wurde von den Bewohnern ebenso selbst gelöst wie der Zulauf gewalttätiger Rocker von den "Hell's Angels". Sie mussten ihre Positionen räumen, nachdem die Polizei im Boden eines Christiania- Lokals die einbetonierte Leiche eines von Rockern ermordeten Mannes gefunden hatte.

Das offizielle Kopenhagen hat den "Freistaat" im idyllischen Stadtteil Christianshavn längst als Teil des Hauptstadtalltags akzeptiert.(APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.