Studie: Absturz auf "La Hague" überträfe Tschernobyl bei weitem

18. September 2001, 13:46
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Kein Standhalten des Bunkers bei Aufschlag eines vollgetankten Fliegers

Paris - Die auch nur teilweise Zerstörung der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague etwa durch einen Flugzeugabsturz würde einer Studie zufolge die Tschernobyl-Katastrophe um ein Vielfaches übertreffen.

Wenn allein das Cäsium-137 des kleinsten und lediglich halb gefüllten Abklingbeckens freigesetzt werde, entspräche das der 67-fachen Menge des in Tschernobyl entwichenen Stoffes, heißt es in einer Studie der atomkritischen Expertengruppe Wise-Paris für das Europäische Parlament.

Aufschlag eines vollgetankten Flugzeugs - Plutoniumbunker würde nicht stand halten

"Wir müssen jetzt umdenken", forderte der Direktor von Wise-Paris, Mycle Schneider. Er sprach sie am Dienstag für drastische Konsequenzen aus den Terroranschlägen in den USA für die Sicherheit von Atomanlagen aus. Der Studie liege ein bisher "glaubwürdiges Unfallszenario" wie Feuer oder Explosion zu Grunde. Dem Aufschlag eines vollgetankten Verkehrsflugzeugs aber würde selbst der Plutoniumbunker in La Hague nicht stand halten, wo den Angaben zufolge mehr als 80 Tonnen des hochgiftigen Stoffs in Pulverform gelagert sind.

Absturz eines kleineren Flugzeugs hielte Bunker vielleicht stand

Seinen Angaben zufolge sind die am besten geschützten Gebäude der Wiederaufarbeitungsanlage in der Normandie so ausgelegt, dass sie dem Absturz eines kleineren Flugzeugs stand hielten. Bisher habe man nach der Formel gehandelt: "Schwerwiegende Folgen mal geringe Wahrscheinlichkeit gleich akzeptables Risiko", sagte Schneider: "Das gilt jetzt nicht mehr."

Über 7.000 Tonnen radioaktiver Stoffe übertrifft Tschernobyl um ein Vielfaches In dem in seiner Studie durchgespielten Fall würden 1,76 Tonnen Cäsium-137 freigesetzt. Bis zu 1,5 Millionen Menschen könnten an Krebs sterben. In der Dienstagausgabe der Zeitung "Liberation" skizzierte Schneider weitere Schreckenszenarien: "Ein Flugzeug könnte auf ein größeres Abklingbecken stürzen oder mehrere Becken in Mitleidenschaft ziehen." Er wies darauf hin, dass in La Hague mit über 7.000 Tonnen radioaktiver Stoffe ein Vielfaches des in Kernkraftwerken vorhandenen Atommaterials lagere.

Fragwürdige Sicherheit durch Flugabwehrgeschütze

Schneider sprach sich für drastische Sicherheitsmaßnahmen aus: "Man sollte Flugabwehrgeschütze bei La Hague stationieren." (APA/AP)

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