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18. September 2001, 13:01
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Illegale Karten-Hacks und modifizierte Decoder bereiten Premiere Kopfzerbrechen

Immer mehr Leute nutzen das digitale Angebot der Leo Kirch Gruppe rund um Premiere World. Durch ein erweitertes Angebot und die Lizenzen für Sportgroßveranstaltungen sollen weitere Nutzer gefunden werden. Dennoch macht Premiere immer mehr Verluste – als Hauptgrund werden Karten-Hacks und das großangelegte Geschäft mit diesen gesehen.

Betacrypt wurde schnell geknackt

Schon vor Jahren fanden sich im Internet Anleitungen und Bausätze wie sich Premiere kostenlos nutzen lässt. Das zur Verschlüsselung der nunmehr digitalen Sender benutzte Programm "Betacrypt" wurde von Hackern sehr schnell geknackt und bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen.

Alte Karte verspricht Gratisnutzung

Grundsätzlich benötigt man lediglich einen Decoder, etwa die d-Box oder einen Receiver mit Common-Interface und einem "Irdeto CI ALLCAM-Modul", wie etwa den MediaMaster-Receiver von Nokia, und eine abgelaufene Premiere-Karte. Solche Karten gibt es in einschlägigen Geschäften oder im Internet ab 500 Schilling aufwärts. Zur Erstellung einer geeigneten SmartCard reicht ein knapp 700 Schilling teurer "Programmer", zu dessen Benutzung die notwendige Software schnell und kostenlos aus dem Internet zu beziehen ist.

Das Geschäft blüht

Hacker generieren mit dem entsprechenden Equipment nahezu problemlos aus einer abgelaufenen Premiere-Karte eine Händlerkarte, die auf einen Schlag alle Kanäle verfügbar macht. Viele Händler haben das einträgliche Nebengeschäft schon frühzeitig erkannt und bieten Kunden manipulierte SmartCards zu Schnäppchenpreisen an. Im Internet haben entsprechende Seiten hohen Zulauf und können häufig auf finanzkräftige Werbung von Pornoanbietern zählen.

"Hacken ist besser als fernsehen"

Die Hacker-Szene präsentiert sich in diesem Fall gespalten. Während einige das selbstgehackte "Gratisangebot" nutzen, steht für andere der Reiz des Hackens im Vordergrund. So betonten Mitglieder des Chaos Computer Club immer wieder, dass ihre Hacks nicht zum Schaden des Kirch-Imperiums geschehen würden, sondern rein aus Spaß an der Sache. Von Seiten der Premiere-Betreiber wurde schon einige Male die Zusammenarbeit mit Hackern im Kampf gegen "Gratisseher" bekannt gegeben.

Tausende Kunden entgangen

Premiere präsentierte vor kurzem ein Gutachten, das dem Unternehmen zwar einen Kundenzuwachs prognostizierte, gleichzeitig aber rund 90.000 entgangene Kunden aufweist.(red)

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    fotomontage: webstandard
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