Hedwig Dohm: Zum 170. Geburtstag der deutschen Feministin

9. Februar 2002, 23:05
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"Weil die Männer keine Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben"

"Weil die Frauen Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben. Ich behaupte: weil die Männer keine Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben, und ich finde die eine Behauptung mindestens ebenso tiefsinnig wie die andere." ("Der Frauen Natur und Recht" 1878)

Pamphlete gegen Antifeminismus

Nach Louise Otto-Peters war Hedwig Dohm in Deutschland die erste, die politische Rechte für Frauen einforderte. Obwohl sie in engem Kontakt mit der Frauenbewegung stand – 1888 gründete sie mit anderen den "Frauenverein Reform", der sich für Koedukation und freie Berufswahl einsetzte - stieg sie selbst nicht auf die Barrikaden, sondern engagierte sich schreibend für Frauenrechte, Mädchenbildung und die Zulassung der Frauen zum Studium.

Nicht durch Aktionen wollte sie auffallen, sondern überzeugen. Mit ihren analytischen, satirisch-polemischen Schriften wendete sich Hedwig Dohm zu einem an Frauen und zum andern an die Antifeministen ihrer Zeit: Theologen, Philosophen, Naturwissenschafter, die wie Möbius den sogenannten "physiologischen Schwachsinn des Weibes" aufgrund des Gewichts der Hirnmasse zu belegen suchten. Immer wieder von neuem kämpfend für die politische, rechtliche und ökonomische Gleichstellung und Unabhängigkeit der Frau.

Bildung und Unabhängigkeit für die Frau

Geboren am 20. September 1831 als Marianne Adelaide Hedwig Schleh, in Berlin, war sie das elfte von achtzehn Kindern einer jüdischen Tabakfabrikanten-Familie. Sie litt schon sehr früh unter den für Mädchen begrenzten Bildungsmöglichkeiten, die ihr absolut nicht genügten. Mit den herrschenden Verhältnissen, welche für die Frauen ein Leben als Hausfrau und Mutter vorsahen, wollte sie sich nicht anfreunden. Schon damals beobachtete sie genau und ihre Analysen fasste sie Jahre später zusammen.

Trotzdem verbrachte sie das erste Viertel ihres Lebens in der Art, wie es für Frauen vorgesehen war. 1852 – gerade 19 Jahre alt, heiratete sie den Schriftsteller Ernst Dohm; eine Ehe, aus der vier Kinder stammten.

Ab den 1860er Jahren begann Dohm zu schreiben. Neben frauenpolitischen Schriften verfasste sie Romane und Novellen, in denen ihre Heldinnen in Konflikt mit der traditionellen Frauenrolle geraten.

1872 erschien ihr erstes Werk zur Frauenfrage – "Was die Pastoren denken", eine Auseinandersetzung mit theologischen Meinungen zur Frauenfrage. Schon 1873 forderte sie das Frauenstimmrecht - "Der Jesuitismus im Hausstande". 1874 formulierte sie in "Die wissenschaftliche Emanzipation der Frau" die Notwendigkeit der Aufklärung für Mädchen und das Studium der Frauen. Zwei Jahre später erschienen "Der Frauen Natur und Recht" – mit der Parole "Menschenrechte haben kein Geschlecht" - sowie "Die Antifeministen".

Radikale Forderungen

Im Alter von 40 Jahren entwickelte sie sich zu einer der radikalsten Kämpferinnen für die Rechte der Frauen und blieb bis ins hohe Alter engagiert. Viele Zitate aus ihren Büchern sprechen für sich:

"Mehr Stolz ihr Frauen! Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung, die euch immer trifft" ("Die Antifeministen" 1902)

In "Der Frauen Natur und Recht" 1874 kritisierte sie den Antifeminismus der Frauen und stellte in "Die Mütter" 1903 die angeborene Mutterliebe in Frage.

"Nicht gegen die Männer richten sich unsere bittersten Empfindungen, unsere härtesten Anklagen, sondern gegen die Frauen, die feige es dulden, dass eine Generation nach der andern sie achtlos beiseite schiebt." ("Der Frauen Natur und Recht")

"Glaube nicht, es muss so sein, weil es so ist und immer so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten." ("Zur sexuellen Moral der Frau")

"Den Frauen, die ... ihre Naturanlagen entwickeln durften, entwachsen aus dem üblichen weiblichen Raupenzustand die Flügel." ("Die Sufragettes´s")

"Untätigkeit ist der Schlaftrunk, den man dir, alte Frau, reicht. Trink ihn nicht! Sei etwas! Schaffen ist Freude! Und Freude ist fast Jugend." ("Die alte Frau" 1903)

Hedwig Dohm starb am 4. Juni 1919, ein halbes Jahr nachdem in Deutschland das Frauenwahlrecht durchgesetzt worden war, in Berlin an Lungenentzündung. (dabu)

20.9.1831 – 4.6.1919

"Die Antifeministen"
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