Bessere Koordination bei Terrorbekämpfung in Europa anvisiert

17. September 2001, 12:30
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Polizeivertreter beraten in Brüssel

Brüssel - Die Polizeibehörden in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden wollen ihre Fahndung nach Terroristen im Zuge der Anschläge gegen die USA besser koordinieren. Ermittler aus diesen Ländern kamen dazu am Montag in Brüssel zu einer vertraulichen Besprechung zusammen, wie das belgische Justizministerium mitteilte. Viele Spuren der mutmaßlichen Attentäter von New York und Washington führen nach Europa. Die Polizei geht derzeit Hinweisen nach, die die identifizierten Verdächtigen in Verbindung mit Osama bin Laden bringen.

Der Chef der europäischen Polizeibehörde Europol, Jürgen Storbeck, hatte am Wochenende die Zusammenarbeit der EU-Staaten bei der Terrorbekämpfung als ungenügend kritisiert. Nach den bisherigen Untersuchungen haben drei mutmaßliche Terror-Piloten zeitweilig in Hamburg gelebt und studiert. In Deutschland ist bisher ein Mann im Zusammenhang mit den Anschlägen festgenommen, wenig später aber wieder freigelassen worden. Die niederländische Polizei hat vergangene Woche vier Personen festgenommen.

Nach französischen und belgischen Medienberichten soll darüber hinaus mindestens einer von zwei in Brüssel festgenommenen Nordafrikanern an den Planungen zu einem Anschlag auf die US-Botschaft in Paris oder andere amerikanische Einrichtungen in Frankreich beteiligt gewesen sein. Am Donnerstag war der Mann festgenommen worden. Die belgische Tageszeitung "Le Soir" identifizierte einen der Festgenommenen als Nizar Trabelsi. Der Tunesier stehe mit einer radikalislamischen Gruppe in Ägypten in Verbindung, die über Kontakte nach Afghanistan verfüge.

Dem Bericht zufolge hat der italienische Geheimdienst Hinweise darauf, dass eine Terrorgruppe Anschläge auf die US-Botschaft in Paris, das Konsulat in Marseille und andere amerikanische Einrichtungen plane. Die in den Niederlande und Belgien Festgenommenen gehörten einer Gruppe mit Sitz in Frankreich an.

Laut "Le Soir" sind die französischen Ermittler zudem an einem Mann namens Farid Melouk interessiert, der einer islamistischen Gruppe in Algerien angehören soll und zurzeit in Brüssel eine neunjährige Haftstrafe absitzt. Melouk, ein Franzose algerischer Abstammung war 1998 nach einer Schießerei mit der Polizei in der belgischen Hauptstadt festgenommen worden. Melouk sei möglicherweise in Kontakt mit einem Mann namens Zacarias Moussaoui, der am 17. August in Minneapolis wegen illegaler Einreise in die USA festgenommen worden war. Moussaoui soll in den USA an einem Pilotenkurs teilgenommen haben. (APA/AP)

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