OMV zieht Personal aus Pakistan ab

17. September 2001, 12:19
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Vorsichtsmaßnahme vor möglichem US-Militärschlag - Libyen unter erhöhter Wachsamkeit

Wien - Als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf einen möglichen militärischen Gegenschlag der USA in Afghanistan als Antwort auf die Terroranschläge in New York und Washington hat der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV seine Mitarbeiter aus Pakistan schon komplett abgezogen: Weitergeführt wird der Betrieb im Miano-Gasfeld nahe der indischen Grenze nun von pakistanischen Beschäftigten. Für Libyen, das wichtigste OMV-Ölfördergebiet im arabischen Raum, gilt "erhöhte Wachsamkeit", um im Fall der Fälle sehr rasch reagieren zu können, sagte OMV-Sprecherin Bettina Gneisz.

Aus Pakistan ausgeflogen wurden ihren Angaben zufolge neben den zehn eigenen OMV-Leuten auch knapp ebenso viele anderer Nationalität, die dort für den österreichischen Energiekonzern tätig waren und sich teilweise samt ihren Familien vor Ort aufgehalten hatten. Weiterhin im Land tätig sind für OMV jetzt noch rund 70 Pakistaner, davon 50 im Office in Islamabad und 20 direkt im Gasfeld nahe dem Ort Sukka.

Detaillierte Krisenpläne

Der Betrieb in Pakistan laufe ganz normal, das weitere Handling samt Planung werde momentan von Wien aus abgewickelt. Für eine allfällige Verschärfung der Lage gebe es detaillierte Krisenpläne. Der nächste Schritt wäre in Pakistan der Abzug sämtlicher Mitarbeiter von der Operation im Miano-Gasfeld und die Räumung der Büros. In Pakistan ist OMV seit 1990 tätig, das Miano-Feld wurde 1993 entdeckt. Anfang 1998 wurde man auch im Gasfeld Sawan fündig, dort wird aber erst eine Gas-Aufbereitungsanlage errichtet, die Produktion soll 2003 starten.

"Erhöhte Wachsamkeit" in Lybien

In Libyen, dem mit fast einer Million Tonnen Erdöl im Jahr wichtigsten Förderland der OMV im arabischen Raum, besteht derzeit für den Ölkonzern laut Gneisz "erhöhte Wachsamkeit", um allenfalls sehr rasch die Mitarbeiter außer Landes zu bringen können. In dem von Revolutionsführer Muammar el Gaddafi angeführten Land sind etwa 15 bis 20 Österreich für die OMV tätig, ebenfalls teils mit Familien. Anders als in Pakistan, wo man auf Airline-Verbindungen angewiesen ist, könnten jedoch aus Libyen die Mitarbeiter falls nötig auch über den Landweg abgezogen werden, etwa ins benachbarte Tunesien.

Im Sudan hat die OMV kein eigenes Personal vor Ort und auch keine Expatriots anderer Nationalitäten. Aufgrund der Regenzeit ruhe der Betrieb dort zur Zeit ohnedies und werde voraussichtlich erst wieder im Dezember mit Testbohrungen wieder aufgenommen, so Gneisz. In Jemen befindet sich ebenfalls kein OMV-Personal. Dort wurde bisher lediglich ein erster Lizenzvertrag mit der Regierung in Sanaa abgeschlossen. Erst nach Ratifizierung durch das jemenitische Parlament können die seismischen Messungen begonnen werden.

In anderen arabischen Staaten ist die OMV erst in einem sehr frühen Stadium engagiert: Im Irak wird eine Machbarkeitsstudie verfolgt, im Iran hat man einen Explorationsvertrag mit der nationalen Ölgesellschaft NIOC abgeschlossen, um heuer seismische Messungen und ab 2002 Explorationsbohrungen durchführen zu können. In Quatar will man Offshore nach Öl und Gas suchen. In Marokko hat die OMV ein Ölprojekt im Westschelf, also im Atlantik, geprüft. (APA)

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    foto: rosenkranz
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