derStandard.at erinnert nostalgischer Weise an vergessene und nie bekannte Mannschaften

21. April 2003, 17:13
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Wir befinden uns in einem neuen Jahrhundert und diesmal stimmt's sogar. Aus sporthistorischer Sicht kann das abgelaufene mit Fug und Recht als das des Fußballs bezeichnet werden. Seit etwas mehr als hundert Jahren hat sich das Spiel, ausgehend von der britischen Insel, unaufhaltsam über die ganze Welt verbreitet. Seine Wurzeln können wohl nie eindeutig geklärt werden: mögen Entwicklungsstränge zu griechischen Dionysos-Orgien, ritterlichen Kriegsspielen, dem Calcio oberitalienischer Eliten oder volkstümlichen Fruchtbarkeits-Spielen, an denen ganze englische Dofverbände teilnahmen, nun beweisbar sein oder nicht.

Zivilisierung

Sicher kann man sagen, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein von den Oberschichten um gefährliches übermäßiges Gewaltpotential bereinigtes, mit einigermaßen eindeutigem Regelwerk versehenes, und somit quasi zivilisiertes Spiel dem Volk zurückgegeben wurde. Die Proletarisierung stand also wohlgemerkt nicht am Anfang des modernen Fußballs, ließ allerdings auch nicht sehr lange auf sich warten und vollendete die Entwicklung des Spiels zum Massenphänomen. In den letzten Jahrzehnten hat - aufgrund verschiedener gesellschaftlicher und technischer Evolutionen - eine Entwicklung eingesetzt, als deren vielleicht prägnantestes Ergebnis das virtuelle Publikum genannt werden kann: dessen prototypische Ausprägung sitzt als fülliges Couchpotato im Rippunterleiberl, ausgerüstet mit Bier und Fahne, vor dem Fernseher und schwitzt mit seiner Mannschaft. (Ja, ja wir wissen es: Diese Karikatur ist mittlerweile auch schon überholt - zu Illustrationszwecken aber noch einsetzbar.)

Ökonomisierung

Die durch die massenmediale Vermittlung des Spiels ins praktisch unendliche potenzierte Kontaktchance der Wirtschaft mit potentiellen Verbrauchern, ging Hand in Hand mit einer beschleunigten Kommerzialisierung des fußballerischen Umfelds und einer korrespondierenden Machtverschiebung zu nichtsportlichen Organisationen. Durch Produkte wie die Champions League werden wir immer wieder unangenehm daran erinnert und viele Sympathisanten des Fußballs behaupten, wohl nicht ganz zu unrecht, er hätte seine Seele verkauft.

Anlässlich einer so symbolhaften Zeitenwende schien es uns daher angebracht, ein nostalgisches Innehalten zu befördern, indem wir an Mannschaften erinnern, die uns in den letzten hundert Jahren begleitet haben, durch die angedeuteten Entwicklungen jedoch ins etwas ins Abseits gedriftet sind. (rob)

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