"Österreichisches Hochhaus müsste bei Terroranschlag nicht zwangsweise einstürzen"

14. September 2001, 11:55
posten

Projektleiter des Wiener Floridotowers hofft, dass "die unteren Geschoße stehen bleiben und den Flüchtenden einen Ausweg bieten würden"

Wien - Ein Terroranschlag wie auf das World Trade Center in den USA müsste bei der österreichischen Bauweise nicht zwangsweise zum Einsturz des ganzen Hochhauses führen, so Otto Raschauer, der als Projektleiter den Bau des Wiener Floridotowers betreut: "Ich habe die Hoffnung, dass durch unsere massiveren Konstruktionen die unteren Geschoße stehen bleiben und den Flüchtenden einen Ausweg bieten würden", sagte Rascauer.

Raschauer hält laut eigenen Angaben eine Verbesserung an der grundsätzlichen Konstruktion von hohen Türmen nicht für notwendig. Moderne Hochhäuser wie der im 21. Bezirk stehende 113 Meter hohe Floridotower bieten demnach ausreichenden Schutz vor "normaleren Risiken" wie Bränden und Erdbeben. Dafür sorgten sicherheitstechnische Einrichtungen sowie die Alarm- und Überwachungssysteme, mit denen solche Gebäude ausgerüstet seien. "In modernen Hochhäusern kann man sich sicher fühlen", betonte der Projektleiter.

Hochbauweise bleibt

Zu einer endgültigen Abkehr vom Hochhausbau - trotz der momentanen Verunsicherung - wird es in Österreich nach Angaben von UBM-Pressesprecher Roman Rusy nicht kommen. "Aufgrund des knappen Bodens im innerstädtischen Bereich wird diese Bautradition erhalten bleiben", so Rusy. Zudem sei die Nachfrage bei Unternehmen vorhanden, denn gerade hoch emporragende Türme würden eine identitätsstiftende Wirkung entfalten.

Beim World Trade Center waren nach Angaben von Rusy zwei Effekte zusammengekommen, die den Einsturz verursachten. Zum einen zerstörten die Flugzeuge einen Teil der Stahlkonstruktion. Andererseits löste die Explosion des Treibstoffes eine enorme Hitzewelle aus. "Bei Temperaturen von 600 Grad verliert Baustahl einen großen Teil seiner Belastbarkeit", so der Pressesprecher. Wichtige Bauträger seien in Verbindung mit mechanischen Einwirkungen gebrochen - und dann seien die beiden Türme in sich zusammen gesackt. (APA)

  • Artikelbild
    foto: floridotower/porr
Share if you care.