Günther Platter: Mit Bestzeit unterwegs an die Tiroler VP-Spitze

11. September 2001, 21:22
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Günther Platter, Landesrat aus dem Tiroler Oberland, hat hohe Ambitionen

Ende September wäre Günther Platter gerne in Wörgl beim Marathonlauf dabei gewesen. Daraus wird nun nichts, denn bis zum Parteitag der ÖVP-Tirol am 27. Oktober wird Platter alle Zeit und Energie brauchen, um bei den Delegierten das Rennen gegen Innsbrucks Bürgermeister Herwig van Staa zu gewinnen.

Sollte er sich durchsetzen, hat er gute Chancen, dass er Landeshauptmann Wendelin Weingartner auch in dessen Funktion folgt. Auf Rekordkurs in Sachen landespolitische Karriere ist Platter schon jetzt. Erst im November 2000 einigte sich die damals noch nicht zerstrittene Parteispitze darauf, ihn als Nachfolger des beliebten Landesrates Fritz Astl, der an Krebs verstorben war, in die Regierung zu holen und ihm die Ressorts Kultur, Sport und Schule zu übergeben. Seit März 2001 ist Platter Obmann des ÖAAB und damit an der Spitze der mitgliederstärksten Teilorganisation.

Seine politische Karriere hat der gelernte Buchdrucker und spätere Gendarm als Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Zams im Tiroler Oberland 1986 begonnen. Drei Jahre später war er schon Bürgermeister und blieb dies bis zu seiner Berufung zum Landesrat. Dazwischen liegen sechs Parlamentsjahre, zuletzt in der Funktion des Wehrsprechers der ÖVP.

Entsprechend skeptisch trat ihm die Tiroler Kulturszene entgegen, aber Platter hat es in kürzester Zeit verstanden, nicht nur die Vertreter der Traditionskultur für sich einzunehmen, sondern auch jene der Hoch- und Alternativkultur. Bei seinem Antritt als Kulturlandesrat hatte er noch für Gelächter gesorgt, als er die Frage nach seinem Bezug zur Kultur mit "Ich habe 27 Jahre in der Musikkapelle gespielt" beantwortete - es blieb sein einziger Fauxpas. Platter wird als teamfähig beschrieben, er könne zuhören, und vor allem gilt er als Integrationsfigur.

Als Beleg dafür erwähnt Platter, bei der Nationalratswahl 1999 in seinem Wahlbezirk österreichweit der Kandidat mit den meisten Vorzugsstimmen gewesen zu sein. Sein Profil scheint wie geschaffen, die Tiroler ÖVP nach dem lähmenden Streit zwischen Weingartner und seinem inzwischen zurückgetretenen designierten Nachfolger Ferdinand Eberle aus der Krise zu führen, die Partei zu einen und eine drohende Spaltung zu verhindern.

Zudem versteht es Platter, trotz seines Images als Everybody's Darling auch noch als entscheidungsfreudig zu gelten. Platter verfügt über kein ausgeprägtes politisches Profil - zumindest derzeit nicht unbedingt ein Nachteil. Jenen seines geringen Bekanntheitsgrades sollte er rasch ausgeglichen haben.

Viermal hat Platter bisher die volle Marathondistanz be- wältigt. Neben umfangreichen anderen sportlichen Vorlieben reichen jene im musikalischen Bereich von Bach bis zu den Beatles. (DerStandard,Print-Ausgabe,12.9.2001)

von Hannes Schlosser
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