Fürsorge für Kranke und Schwache gab es schon in der Steinzeit

11. September 2001, 14:42
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Neue Funde weisen auf soziales Verhalten vor 175.000 Jahren hin

Paris- Steinzeitmenschen waren nach Erkenntnissen von Wissenschaftern bereits vor 175.000 Jahren sozial so weit entwickelt, dass sie sich um Kranke und Schwache kümmerten. Darauf deutet das in Südfrankreich entdeckte Bruchstück eines zahnlosen menschlichen Kiefers hin, wie die Autoren einer am Dienstag im US-Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten Studie schreiben.

Der Kieferknochen gehörte laut Untersuchungen zu einem Mann, der seine Zähne bereits mehrere Jahre vor seinem Tod verloren hatte und daher zum Überleben auf Unterstützung angewiesen war. Vermutlich hätten die Mitglieder seiner Gruppe ihm beim Zerkleinern von fester Nahrung geholfen. Offensichtlich hätten seine Zeitgenossen bereits eine "so hohe sozio-kulturelle Stufe erreicht, dass sie behinderten Mitmenschen helfen konnten und wollten", heißt es in der Studie eines internationalen Forscherteams.

Bisher waren Wissenschafter davon ausgegangen, dass die Vorfahren des heutigen Menschen erst vor ungefähr 50.000 Jahren anfingen, für Kranke und Schwache zu sorgen. Der rund 175.000 Jahre Kiefer war in einer Höhle nahe Monieux in Südfrankreich gefunden worden. Er gehörte zu einem etwa 30 Jahre alten Mann - ein stolzes Alter für die damalige Zeit. In der Höhle entdeckte Tierknochen weisen darauf hin, dass die Bewohner bereits ausgereifte Jagdtechniken beherrschten und Pferde, Auerochsen und Steinböcke erlegten. (APA)

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