Unis erwarten Gängelung durch Regierung

10. September 2001, 18:46
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Geplantes "Aufsichtsratsgremium" Universitätsrat stößt auf Skepsis

Wien - "Das geht an die Essenz der Uni." Reinhard Folk, Linzer Physikprofessor und Vorsitzender der Bundeskonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals, prangert im Standard-Gespräch die Folgen der neuesten Unireformpläne an. Wie berichtet, soll der "Gestaltungsvorschlag" des Bildungsressorts für die volle Rechtsfähigkeit der Universitäten bis Ende November diskutiert werden. Dann erst wird ein Gesetzesentwurf erstellt. Die Website (www.weltklasse- uni.at) wurde in den letzten zehn Tagen 2629-mal aufgerufen. Auch die Rektoren beschäftigen sich in laufenden Sitzungen mit der Reform. Rektorenchef Georg Winckler hatte zuletzt vor einer "Ministerialuniversität" gewarnt.

Folk befürchtet Ähnliches: Erstens würden die hohen Schulen dank des neuen Universitätsrates (eine Art Aufsichtsorgan) am Gängelband des Bildungsressorts gehalten. Und zweitens kehre man zur alten "Ordinarienuniversität" zurück, weil nur mehr unbefristete Professoren Entscheidungen treffen dürfen. "Junge bleiben ausgeschlossen."

"Entmutigung"

Probleme erwartet Folk auch bei der Besetzung der Universitätsräte aller 18 Unis: Sie sollen mit je fünf Experten beschickt werden, die weder aktive noch emeritierte Professoren der betreffenden Uni sein dürfen. Der Rat hat eine entscheidende Rolle: Er wird unter anderem Genehmigungen für die Leistungsvereinbarungen zwischen Ministerium und Unis erteilen.

Durch die künftige, hierarchische Entscheidungsstruktur erwartet Folk weniger wissenschaftliche Freiheit für den einzelnen Forscher. Es herrsche "ungeheure Entmutigung" unter den Wissenschaftern. Die Attraktivität der Universität für Junge sinke.

der Standard konfrontierte den Leiter der Arbeitsgruppe Unireform im Bildungsressort, Stefan Titscher, mit den geballten Vorwürfen. Ministerialuni? Lediglich zwei der fünf Uniratsmitglieder werden vom Ministerium bestimmt, sagt er. Zwei wähle der Senat (das höchste universitäre Gremium), und der fünfte werde von den restlichen vier auserkoren. Der Unirat habe den nötigen Blickwinkel "von außen" und stelle ein Bindeglied zwischen Gesellschaft und Universität dar. Die befürchtete und viel zitierte "Ökonomisierung" der Universitäten sei "in keinster Weise geplant". Dass der Mittelbau im Senat von einem Drittel auf weniger als ein Viertel reduziert werde, sei Folge des neuen Dienstrechts, in dem der Assistent auf Lebenszeit abgeschafft werde. Schlicht falsch sei, dass die neue Unihierarchie die Forschungsfreiheit des Einzelnen beeinträchtige. Und auch die Rektorenkritik am Reformtempo weist Titscher zurück: Die Änderungen seien jahrelang in Diskussion, und erst 2003 müssten sich die Unis neu organisieren. (DerStandard,Print-Ausgabe,11.9.2001)

von Martina Salomon
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/nistl
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