Aids-Forscher hoffnungsvoll: 90 Impfstoffe im Test

7. September 2001, 16:13
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Hoffnungsträger ist Impfstoff aus abgeschwächtem Grippevirus

Philadelphia - Nach Jahren erfolgloser Suche schöpfen Forscher zunehmend Hoffnung, die globale Aids-Epidemie mit einem Impfstoff bekämpfen zu können. "Ich bin optimistischer als noch vor wenigen Jahren, dass einer der derzeit erprobten Stoffe den Weg nach oben schaffen und eine Wende herbei führen wird", sagte einer der führenden Aidsforscher der USA, David Baltimore vom staatlichen Aids-Impfstoff-Forschungskomitee, auf einer Internationalen Konferenz in Philadelphia. Dort tauschen Wissenschafter aus aller Welt bis Freitagabend (Ortszeit) ihre Erfahrungen mit rund 90 experimentellen Impfstoffen gegen den Aidserreger HIV aus.

Impfstoff aus einem abgeschwächten Grippevirus

Zu den aussichtsreichsten Kandidaten gehört ein Impfstoff aus einem abgeschwächten Grippevirus (VSV), dem mehrere Gene des Aids-Virus eingepflanzt wurden. Er wird von Forschern der Yale Universität in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) an sieben Rhesusäffchen getestet. Nach deren Angaben produzierte der Impfstoff HIV-Proteine im Körper der Versuchstiere, mit deren Hilfe die Affen mehrere hoch dosierte Injektionen mit dem Aids-Erreger abschmettern konnten. Die Tiere sind sieben bis 14 Monate nach den HIV-Attacken völlig gesund und haben keine oder kaum nachweisbare Spuren des Erregers in ihrem Blut, berichtete John Rose der Konferenz.

Egebnis auch nach einenhalb Jahren gut

Ein Impfstoff-Kandidat, der an der Harvard Universität in Boston ebenfalls bei Affen getestet wird, bringt bereits seit eineinhalb Jahren gute Ergebnisse. "Nach 600 Tagen haben wir keinen Hinweis auf Aids oder ein Aufflammen des Virus", berichtete Norman Levin den 1.000 Experten und Aids-Aktivisten der Tagung in Philadelphia. Das Harvard-Vakzin enthält außer HIV-Genen ein Gen, das die Produktion von Interleukin-2 anregt und damit die Abwehrkräfte im Körper mobilisiert.

Aids hat bereits 22 Millionen Menschen das Leben gekostet

Anders als die meisten anderen Impfstoffe gegen Krankheiten wie Kinderlähmung oder Keuchhusten schaffte es bisher keines der HIV-Vakzine im Test, die Infektion mit dem Aids-Erreger zu verhindern. Stattdessen helfen sie den Abwehrkräften, die HIV-infizierten Zellen und die Zahl der Viren im Körper so weit unter Kontrolle zu halten, dass ein gesundes Leben mit HIV möglich wird.

Der Aids-Erreger war erst vor 20 Jahren identifiziert worden und hat bisher 22 Millionen Menschen das Leben gekostet. Weitere 36 Millionen Menschen sind HIV-infiziert. In einigen afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist jeder vierte Erwachsene HIV-positiv. Experten sehen in einem Impfstoff die einzige Möglichkeit, der Epidemie in den ärmsten Regionen Afrikas und Asiens sowie auch Südamerikas Einhalt zu gebieten. (APA/dpa)

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