Überführt durch chemischen Fingerabdruck?

9. September 2001, 20:34
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Forscher untersuchen, wie individuell das jeweilige Gemisch aus Protein, Salzen und Fett ist

London - Schwitzig-fettige Rückstände von Fingerabdrücken könnten zukünftig Verbrecher identifizieren. Das behaupten zumindest Forscher des Lawrence Berkeley National Laboratory. Sie untersuchen derzeit, inwieweit sich das typische Gemisch aus Protein, Salzen und Fett neben einem individuellen Wirbel- und Rillenmuster als charakteristisches Merkmal eines Menschen eignet, so ein Bericht in New Scientist.

Dem Forschungsteam um Dale Perry ist es mit Hilfe der Synchrotronstrahlung bereits gelungen, die chemische Zusammensetzung von Proben in einer Größenordnung von ca. zehn Mikrometern zu analysieren. Scheint ein dünner Infrarotstrahl auf die Probe erlaubt die absorbierte Wellenlänge Rückschlüsse auf die chemische Eigenschaft der Substanz. Das Verfahren verändert die Abdrücke nicht und ist laut Perry 100 Mal empfindlicher als herkömmliche Methoden. Dadurch seien weitere kriminaltechnische Untersuchungen problemlos durchführbar.

Ob der chemische Fingerabdruck den physikalischen ersetzen kann bedarf allerdings noch einiger Forschungszeit. Noch ist nicht geklärt, ob die Zusammensetzung des Abdrucks tatsächlich einzigartig ist. Im Jahr 1999 stellte Gary Mong vom Pacific Northwest National Laboratory durch gaschromatografische Methoden fest, dass 79 Testpersonen unterschiedliche Schweißprofile auf den Fingerabdrücken aufwiesen. "Vermutlich kann durch den Abdruck auch Alter und Geschlecht festgestellt werden." so Mong.

Stephen Homeyer von der gerichtswissenschaftichen Forschungsabteilung des FBI in Quantico, Virginia, stimmt zwar zu, dass Schweißprofile Bedeutung haben könnten, ist aber nicht überzeugt von der Idee, dass Rückstände auf Fingerabdrücken mit der Identität zusammenhängen. "Die Fingerabdrücke werden auch vom berührten Gegenstand und Umweltkontaminanten beeinflusst", so Homeyer. Zudem bezweifelt er, dass jedes Gerichtslabor die Ausrüstung für die Erzeugung von Synchrotronstrahlung besitzt. Synchrotronstrahlung entsteht, wenn energiereiche Elektronen in den Ablenkmagneten von Teilchenbeschleunigern oder in speziellen Magnetstrukturen beschleunigt werden. Was zunächst nur als lästiges Abfallprodukt der Teilchenphysik erschien, ist inzwischen zu einem wichtigen Werkzeuge in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen und in der medizinischen Diagnostik geworden.(pte)

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