Alljährliche Miniermottenplage heuer "light"

8. September 2001, 15:03
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Den Kastanien geht es bisher relativ gut - doch keine Entwarnung

Wien- Die Rosskastanien-Miniermotte konnte sich heuer durch das relativ kühle und feuchte Frühjahr nicht so recht vermehren, den Kastanienbäumen geht es deshalb relativ gut. "Nicht gespritzte Bäume zeigen zwar die üblichen Symptome des Befalls, haben aber zum jetzigen Zeitpunkt meist doch noch grüne Blätter", sagte Hannes Krehan von der Forstlichen Bundesversuchsanstalt (FBVA). In den vergangenen Jahren waren die Kronen vieler Bäume Anfang September bereits völlig braun.

Entwarnung können die Experten deshalb aber keine geben. Die etwas entspannte Situation sei nur auf die Witterung zurück zu führen. Kommt ein warmes Frühjahr, treten die Parasiten sicher wieder massiv auf.

Cameraria ohridella

Die Rosskastanien-Miniermotte - lateinisch: Cameraria ohridella - wütet seit 1989 in Österreich. Eingeschleppt wurde der Parasit wahrscheinlich vom Balkan, 1985 wurde sie erstmals in Mazedonien beschrieben. Die ursprüngliche Heimat der Tiere ist nicht schlüssig geklärt, es kommen sowohl Asien als auch Amerika in Frage.

Der Spuk beginnt alljährlich im Frühling. Aus den im Laubstreu überwinterten Puppen schlüpfen - je nach Witterung - Mitte bis Ende April die Motten und beginnen rasch mit dem Fortpflanzungsgeschäft. Nur wenige Tage nach der Kopulation legen die Weibchen ihre Eier an der Blattoberfläche ab, weitere zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Larven, die eigentlichen Baumschädlinge. Die wenigen Millimeter großen Jugendstadien leben innerhalb der Blätter, graben Gänge - genannt Minen, daher der Name - und leben von den Blattsäften. Die Motten bringen bei uns jährlich zwei bis drei Generationen hervor.

Opfer: die Blätter

Die Parasiten bleiben für die Blätter nicht ohne Folgen, sie verfärben sich anfangs teilweise, dann völlig und fallen ab. Bei starkem Befall kann ein Kastanienbaum bereits im Juli oder August eine völlig braune Blätterkrone haben. Befallen werden vor allem weiß blühende Rosskastanien, die Tiere kommen zwar bisweilen auch in Blättern von rot blühenden Kastanien vor, allerdings richten sie dort bei weitem nicht so einen Schaden an. Neuerdings wird auch über den Befall von Ahorn und Linde durch Cameraria ohridella berichtet, nennenswerte Schäden sind allerdings bisher ausgeblieben.

Besonders stark werden weiß blühende Rosskastanien befallen, die auch durch andere Faktoren geschwächt werden. "Etwa am Hietzinger Kai in Wien sind die Bäume durch Salz und Luftschadstoffe so stark vorgeschädigt, dass sie auch heuer stark von der Motte geschädigt wurden", berichtete Krehan.

Kaum Feinde

Nachdem es sich um einen Neuzuwanderer handelt, hat die Kastanien-Miniermotte bei uns wenig natürliche Feinde. Schlupfwespen beispielsweise legen ihre Eier in die Mottenlarven, anschließend werden die Tiere dann von der Wespenbrut von innen aufgefressen und gehen zu Grunde. "Bei uns sind lediglich rund zehn Prozent der Motten von Schlupfwespen befallen, das ist viel zu gering, als dass die Population entscheidend dezimiert werden könnte." Wissenschafter suchen daher in den vermuteten Ursprungsgegenden der Tiere nach Schlupfwespen, die sich auf Cameraria ohridella spezialisiert haben; bisher allerdings vergeblich.

Als Bekämpfungsmaßnahme steht daher praktisch nur die chemische Keule zur Verfügung. Der Wirkstoff Dimilin verhindert die Häutung und somit die Entwicklung der Tiere. Der Nachteil ist, dass auch andere Insekten darunter leiden. Eingesetzt wird Dimilin vor allem in Parks, wo viele Kastanien auf engem Raum zu finden sind. Weiters können die Gärtner nur dafür sorgen, dass das Laub in Herbst und Winter weggeräumt und verbrannt wird, darin lauern die Puppen auf den Ausflug im Frühling.

Sorgen bereitet den Gärtnern und Baumexperten, dass die Sondergenehmigung für Dimilin im kommenden Jahr ausläuft. Diese war vom Landwirtschaftsministerium auf Grund der teils prekären Situation der Kastanien erteilt worden. Und ob die Herstellerfirma die aufwendige und teure Prozedur einer regulären Zulassung des Pestizids durchziehen wird, ist mehr als fraglich. (APA)

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