Die Macht der Rhetorik

20. November 2001, 08:39
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Zehn Tipps, um Anfängerfehler zu vermeiden

Sprich nur dann, wenn du etwas Wertvolleres zu sagen hast als dein Schweigen. Dionysos

Der Weg zum besseren Redner beginnt mit der Vermeidung von Anfängerfehlern. Dann erst kann man beginnen, mit ausgefeilten Methoden die Kunst der Rhetotik auf die Spitze zu treiben.

1.Tipp: Freude statt Angst

Hinter dem Satz: "Ich freue mich, Ihnen das und das erzählen zu können..." muss wahre Freude stehen, sonst glaubt Ihnen kein Mensch. Mit unserem Gespür für Stimmungen merken wir, wenn Worte etwas anderes sagen als Tonalität, Haltung und Körpersprache. "Wer nicht lächeln kann, soll keine Geschäfte machen", weiß auch Konfuzius. Der Weg zu mehr Freude bei einer Rede oder Präsentation liegt in der Vorbereitung. Denken Sie daran, was alles passieren könnte, malen Sie sich den worst case aus und finden Sie Lösungsmöglichkeiten für diese Fälle. Vergessen Sie aber auch nicht darauf, sich ein Best-Case-Szenario auszumalen mit einem schönen Happy End. An dieses denken Sie kurz vor der Bewährungsprobe, dann fällt das Lächeln auch nicht schwer.

2. Tipp: Machen Sie Platz

Sprechen Sie nicht von sich und Ihrer Aufregung, sondern vom Publikum. Das steht im Mittelpunkt. Ziel ist es nicht, dass Sie etwas sagen, sondern dass das Publikum informiert, motiviert und berührt wird. Finden Sie Eröffnungsworte, die das Auditorium ansprechen und die es versteht. "Herzlich Willkommen. Danke, dass Sie sich diese Stunde von Ihrem Arbeitsplatz getrennt haben. Sie werden es nicht bereuen, denn es erwarten Sie lohnende Neuigkeiten..."

3. Tipp: Wie Wörter wirken

Menschen reagieren semantisch, d.h. sie hören die einzelnen Wörter bevor sie den Sinn des Satzes verstehen. Unbewusst reagieren sie dann auf negative Formulierungen wie "Ich will Sie nicht langweilen" oder "Es wird unser Schaden nicht sein." Lassen Sie also nur jene Wörter an die Ohren der Zuhörer, die auch wirklich dort ankommen sollen. Statt "Nicht schlecht" besser ein "Sehr gut", besser "Schenken Sie mir Ihre Aufmerksamkeit" oder "Wir werden alle davon profitieren."

4. Tipp: Die Last der Entschuldigung

Entschuldigen Sie sich nicht andauernd, Sie verlangen damit von den Zuhörern, die Schuld von Ihnen zu nehmen und das ist zuviel. Besser ist, das, was es zu entschuldigen gilt, zu vermeiden bzw. zu seinen Fehlern zu stehen. Aufrichtiges Bedauern zwischendurch wird mit "Es tut mir leid" zum Ausdruck gebracht.

5. Tipp: Die Macht des Humors

Ein interessanter Vortrag wird nur übertroffen von einem unterhaltsamen Vortrag. Mit Ernsthaftigkeit wird das Lernen anstrengend. Lachen ist Entspannung für das Gehirn, es schafft das chemische Milieu, in dem die Bildung von Synapsen am besten verläuft. Würzen Sie Ihren Vortrag daher mit einem Scherz oder einer lustigen Geschichte.

6. Tipp: Augen, die Fenster der Seele

Experten nennen die hochgezogenen Augenbrauen den Goofy-Effekt: unschuldig und sympathisch, aber auch unsicher und inkompetent. Das Gesicht zeigt unsere Gefühle und dabei bekommt die Augenpartie 15 mal mehr Aufmerksamkeit als der Rest. Senken Sie daher Ihre Augenbrauen und schauen so gefährlich aus. Die Atmung wird tiefer werden und Entschlossenheit wird einkehren.

7. Tipp: Runter vom hohen Ross

Ich weiß, dass ich nicht alles weiß - Na und? Es kann vorkommen, dass ein Teilnhemer Ihres Vortrages auf einem Teilgebiet besser informiert ist als sie. Tun Sie nicht so, als ob Sie auch über die neuersten Informationen bescheid wüssten, wenn es nicht stimmt. Das fliegt meistens auf. Sagen Sie besser:"Nein, diese neue Studie kenne ich nicht, aber wenn sie dazupasst, erzählen Sie uns davon."

8. Tipp: Fels in der Brandung

Ein Vortragender, der sich ununterbrochen bewegt, der auf und ab geht, konzentriert sich darauf, nicht zu stolpern und verliert die Aufmerksamkeit seines Publikums. Wandern ist das Fluchtverhalten der Unsicheren und so wird es auch von den Zuhörern verstanden. Wählen Sie daher eine günstige Position im Raum und bleiben Sie dort. Vergraben Sie sich auch nicht hinter dem Schreibtisch. Verändern Sie Ihre Position nur, wenn Sie einen Teil Ihres Vortrages abgeschlossen haben. Der Übergang von der Einleitung zum Hauptteil oder Schluss, vom Vortrag zur Diskussion kann ruhig von einer Bewegung begleitet sein.

9. Tipp: Der gute Ton

Nicht nur der Inhalt zählt, sondern auch Lautstärke, Volumen und Spannung und Dramatik. Ohne Betonung und Pausen verliert jeder Redner bald seine Zuhörerschaft. Nehmen Sie als Vorbereitung Ihre Rede auf Kassette auf und analysieren Sie, wie das Gesagte wirkt.

10. Tipp: Sprechpausen richtig nutzen

Lassen Sie das "Äähhh" in den Sprechpausen weg. Wenn Sie nach einer Formulierung suchen, tun Sie das schweigend. Zuhörer erleben Pausen kürzer als der Redner. Außerdem braucht das Publikum auch dann und wann eine Pause. Pausen zwischen den Sätzen geben dem Publikum Zeit zum Nachdenken. Pausen innerhalb des Satzes geben dem Publikum Zeit zum Vorausdenken. Nutzen Sie die Gelgenheit für Augenkontakt, Mimik, Gestik, Nicken oder ein Lächeln. (red)

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