Experten bezweifeln Sinnhaftigkeit

4. September 2001, 14:04
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Kosteneinsparungen von 2,5 Milliarden Dollar erwartet

Hamburg/Wien - Offiziell sprechen die Computerunternehmen Hewlett-Packard (HP) und Compaq von einer gleichberechtigten Fusion. Doch alle Details des Megadeals legen den Schluss nahe, dass HP den texanischen Computerkonzern Compaq für rund 25 Milliarden Dollar (27,6 Mrd. Euro/379 Mrd. S) in Aktien "geschluckt" hat. Der neue Superkonzern wird damit führender Hersteller von Personal Computern und Servern. Mit einem kombinierten Jahresumsatz von 87 Milliarden Dollar rückt das neue Unternehmen dicht auf die Fersen des weltweit führenden Computerherstellers IBM, der zuletzt 88,4 Mrd. Dollar umsetzte.

"Riesige Verwirrung bei HP"

Etliche Branchenexperten bezweifeln aber, ob Hewlett-Packard tatsächlich von der Übernahme profitieren wird. Ashok Kumar, Analyst von US Bancorp Piper Jaffray nannte die Fusion sinnlos. "Sie schafft eine riesige Verwirrung bei HP. Im Rückblick wird dieser Deal nicht als gelungene Übernahme angesehen werden." Auch sein Kollege Dane Anderson vom Marktforschungsunternehmen IDC rechnet mit einer "Phase der Unsicherheit". "Es gibt kaum eine Chance, der Verunsicherung und Konfusion intern aber auch extern für die kommenden sechs bis neun Monate zu entkommen."

Beide Firmen sollen zusammen rund 145.000 Beschäftigte haben, wurde heute Dienstag bekanntgegeben. Zu Jahresbeginn 2001 zählte HP 88.500 Mitarbeiter, will aber rund 9.000 abbauen; Compaq will seine Beschäftigtenzahl von 71.300 (März 2001) um mindestens 9.000 reduzieren.

HP setzt sich auch technologisch durch

Mit der Übernahme setzt sich HP auch technologisch durch. Das neue Gemeinschaftsunternehmen wird künftig für seine Server Standardprozessoren von Intel (Gemeinschaftsentwicklung "Itanium") einsetzen und sich endgültig von den Alpha-Chips verabschieden, die Compaq 1998 mit Digital Equipment eingekauft hatte. Auf dem PC-Markt liefern sich nun Dell und HP/Compaq ein neues Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft, nachdem Michael Dell und sein Unternehmen den texanischen Nachbarn Compaq im 1. Quartal 2001 überholt hatte.

Für den Angriff auf den Branchenprimus IBM erhält HP die Consulting- und Service-Abteilung von Compaq, nachdem ein Kauf der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers nicht zu Stande gekommen war. "Compaq hat Digital wegen der Services übernommen, war damit aber nicht sehr erfolgreich", meinte Ian Bertram von dem Marktforschungsunternehmen Gartner Group. "Nun kauft HP Compaq - wie viel Ballast da wohl mitgeschleppt wird?"

Das neue Unternehmen wird seine Zentrale in Palo Alto haben und auch in Houston, Texas, weiterhin präsent bleiben. Vier Geschäftsbereiche sind bereits vorgesehen, drei davon werden von HP-Managern geleitet und einer (IT-Infrastruktur, 23 Mrd. Dollar Umsatz) vom derzeitigen Compaq Vizechef Peter Blackmore. Die weiteren Geschäftsbereiche sind Drucken und Bildbearbeitung (20 Mrd. Dollar), PC und Handhelds (29 Mrd. Dollar) sowie Dienstleistungen (15 Mrd. Dollar). Oberster Finanzchef wird HP-Finanzer Robert Wayman. Das Integrationsteam wird von Web McKinney, (HP Großkundenchef) gemeinsam mit Jeff Clarke (Compaq Finanzchef) geleitet. (APA/dpa)

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    foto:compaq
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