Osteuropa: Vorsicht ist geboten

4. September 2001, 11:06
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Investmentprofi Klaus Bockstaller hält Russland derzeit für den einzigen investitionswürdigen Markt in der Region

Ermutigt wird Bockstaller, Manager des Baring Eastern Europe Fonds, durch die derzeitigen positiven Nachrichten aus Russland, wie der höheren industriellen Produktion und den über allen Erwartungen liegenden Erträgen der Ölgesellschaft Yukos. Positiv ist auch Putins aktive Steuerung des Reformprozesses, wo bereits Fortschritte in den Bereichen Steuern und Landreform erzielt wurden. Aufgrund der Größe des Fonds, ist es für Bockstaller aber schwierig, Investitionen in kleinere und ungelistete Firmen zu tätigen. Stattdessen sieht er Yukos als eine Möglichkeit am oberen Ende des Marktes zu spielen ohne gleichzeitig ein zu großes Risiko einzugehen.

Russische Telekomunternehmen bieten hingegen für Bockstaller nicht genügend Transparenz. Er argumentiert weiter, dass die Festnetzanbieter aufgrund des extrem veralteten Equipment langfristig nicht besonders interessant sind und bereits von Mobilnetzanbietern überholt wurden. Die besten Investitionsmöglichkeiten in diesem Segment siehr er in den Unternehmen MTS und Vimpelcom. Wegen des höheren Quality Managements bevorzugt er MTS.

UES, Russlands größten Energieversorger, hält Bockstaller für stark unterbewertet. Seine ursprünglichen Bedenken, welche die Restrukturierung der Gesellschaft betrafen, wurden durch Putins Aufforderung zur Überarbeitung des Restrukturierungsplanes seitens der Kommission, abgeschwächt. Er denkt, dass Putin eine Verletzung der Interessen von Minderheitsaktionären mit aller Wahrscheinlichkeit nicht tolerieren werde. Dies sollte sich positiv auf die Aktie auswirken.

Mangelnde Alternativen in Osteuropa

Obwohl Bockstaller in der letzten Zeit versucht war in Russland Profite mitzunehmen, tat er es, aufgrund von mangelnden Alternativen innerhalb der anderen Märkte der Region, nicht. Die Aussichten für Zentraleuropa schätzt er im Zuge des negativen makroökonomischen Umfeldes derzeit als wenig optimistisch ein. Mit Ausnahme von Ungarn, wo er durch die kürzliche Aufhebung der Devisenbeschränkungen durch die Regierung ermutigt wurde Investitionen in Zentraleuropa erfordern seiner Ansicht nach eine stärkere "Bottom-Up"-Orientierung.

In Ungarn favorisiert er die OTP Bank und Gedeon Richter, in der Czechischen Republik Ceska Sporitelna und Komercni Bank. Den kroatischen Pharmakonzern Pilva favorisiert er aufgrund seiner guten Grundlagen und seines niedrigen Beta. Investitionen in der Türkei hält er noch immer für zu unsicher und hat daher keine Positionen im Fonds.

Vorsicht ist geboten

Bockstaller favorisiert weiterhin Russland und rät in den anderen Märkten Osteuropas zur Vorsicht. Zur selben Zeit gibt er zu bedenken, dass Russland permanent sorgfältig bewertet werden muss, da es nicht losgelöst von seiner globalen Umgebung betrachtet werden darf. Sollte sich die Lage der Wirtschaft weltweit weiterhin verschlechtern, wird dies zwangsläufig zu einer Senkung des Ölpreises führen, was wiederum einen negativen Einfluss auf Russland haben wird.

Klaus Bockstaller, Manager des Baring Eastern Europe Fonds, hält Russland derzeit für den einzigen investitionswürdigen Markt in der Region. Russische Unternehmen sind noch immer sehr günstig bewertet. Die Aussichten für Zentraleuropa schätzt er im Zuge des negativen makroökonomischen Umfeldes derzeit als wenig optimistisch ein. Senkung des Ölpreises könnte sich aber auch auf Russland negativ auswirken.

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