Waschen, schneiden, legen oder vielleicht färben gefällig?

4. September 2001, 14:08
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Friseurbesuch als Abfolge von Unannehmlichkeiten

Einmal im Jahr muss sie sich anscheinend versichern, dass ein Friseurbesuch nichts bringt. Nichts Positives jedenfalls.

Dabei wollte sie nur die Spitzen schneiden lassen. Nicht mehr! Nicht das ganze Trara, Full-Service genannt, das bei Einrichtungen dieser Art dazuzugehören scheint.

Teil I der Unannehmlichkeiten

Kaum hatte sie sich im Sessel niedergelassen, prasselte ein vergnügtes Geschnatter der Haarspezialistin auf sie nieder. Ein nettes Geplauder sollte es sein, sicherlich mit der besten Absicht die Kundin zu unterhalten. Diese, ihrerseits immer einsilbiger, laborierte bereits an den verheerenden Auswirkungen auf ihr Gemüt.

Okay, die Massage beim Kopfwaschen war wohltuend. Und auch die Stille, die sich einstellte, als das muntere Gerede der Friseuse keine Resonanz fand, und lediglich durch das Strahlen des Brausehahns untermalt wurde. Aber danach folgte bereits

Teil II der Unannehmlichkeiten

Das Ausfrisieren des nassen Haares: ein Gezerre und Gereiße, dem kein Haar standhält. Die Befürchtung, mit bloßem Haupt das Geschäft verlassen zu müssen, stellte sich ein. Ihre Panik wurde unterbrochen, als der Fön zum Einsatz kam.

Laut und heiß, sehr heiß, blies er auf das feuchte Haar, dass sich die Kopfhaut errötet runzelte, die Ohren grellrot wie Herzkirschen vom Kopf abstehen und das Haar beleidigt zusammen ziehen ließ. Hoffentlich bricht es nicht, dachte sie. Nicht genug schoss die Hitze des Föns aus allen Richtungen: von oben, von unten, seitwärts. Jedenfalls genau so, wie es dem Haar schadet.

Teil III der Unannehmlichkeiten

Damit der Tortur nicht genug. Kaum hatte sich der Vorföner-Lehrling entfernt, kam die Cutterin zurück, zum Fertigfönen. Frau duckte sich, als diese mit einer Rundbürste, ja sie konnte es nicht glauben - RUNDBÜRSTE - anrückte.

Von der Wurzel bis zur Spitze wurde nun das Haar über dieses hart-struppige Gerät gezogen. Den Blasschacht des Föns über das zum Zerreißen gespannte Haar gleiten lassend. Er saß beinahe am Haar auf, als ob es versengt werden sollte. Wie das Getreide eines gerodeten Feldes. Und das alles nur, "damit ein hübscher Schwung entsteht". Zufrieden lächelnd wurde ihr zum Abschluss ein Spiegel gereicht: "Ist´s recht so?" - erwartungsvoll. An der Kasse folgte dann

Teil IV der Unannehmlichkeiten

- sozusagen die Krönung: "Macht dann 1.200 Schilling." Was? Für`s Spitzenschneiden? Und als sie sich nach der Zusammensetzung der astronomischen Summe erkundigte, erhielt sie die etwas unfreundliche Auskunft: "Was glauben`S denn? Für langes Haar wird der doppelte Preis verrechnet. Und dann haben`S ja noch den Spezial-Balsam.

Zerknirscht zahlte sie und flüchtete aus dem Geschäft, um schnell nach Hause zu kommen. Und den "hübschen Schwung" unter der Brause zu lassen. (dabu)

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    foto: diestandard.at/murlasits
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