Wiener Parteien-Hickhack um Gewista-Deal

3. September 2001, 11:45
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Görg kritisiert 30-jährigen Vertrag - Kopietz: Görg "wirtschaftlich inkompetent"

Wien - Die vor fünf Monaten erfolgte indirekte mehrheitliche Übernahme des Wiener Außenwerbeunternehmens Gewista durch ein französisches Unternehmen hat am Wochenende zu einem Schlagabtausch zwischen den Wiener Parteiorganisationen von ÖVP und SPÖ geführt. VP-Chef Bernhard Görg verlangte die Offenlegung des Verkaufsvertrags, SP-Landesparteisekretär Harry Kopietz zieh Görg daraufhin der "wirtschaftlichen Inkompetenz" und verlangte seinen Rücktritt.

Görg hatte in den Tageszeitungen "Presse" und "Kurier" kritisiert, knapp vor dem Verkauf durch die gemeindenahe Wiener Holding habe die Gewista exklusiv alle Werbeflächen der Wiener Linien gemietet - samt einem sich auf 30 Jahre erstreckenden Kündigungsverzicht durch die Wiener Linien. Die Gewista zahle nicht die marktüblichen Preise, Verträge auf 30 Jahre seien in der freien Wirtschaft unüblich.

"Wirtschaftliche Inkompetenz"

Kopietz warf Görg am Sonntag in einer Aussendung "wirtschaftliche Inkompetenz" vor. Grund: Die Gewista habe ja nicht mehrheitlich der Gemeinde gehört, sondern der "Wiener Holding" (die von der gemeindenahen früheren AVZ dominiert wird). Außerdem habe es sich "nicht um einen Verkauf der Gewista an die Decaux gehandelt, sondern um eine Erweiterung der Gesellschafterstruktur".

Im April hatten Decaux und Gewista mitgeteilt, dass künftig eine Holdinggesellschaft, die "JCDecaux Central Eastern Europe", 67 Prozent an der Gewista halten wird. An dieser Holding ist zwar mit 41,5 Prozent auch die B&C-Privatstiftung beteiligt, in die die Bank Austria ihre Industriebeteiligungen eingebracht hat, die Decaux-Gruppe hält mit 58,5 Prozent aber die die Mehrheit in der Dachgesellschaft.

Aus dem Büro des Wiener Finanzstadtrats Rieder (S) war laut "Kurier" zunächst keine Kaufsumme für die indirekte Mehrheit an der Gewista zu erfahren. Rieder befindet sich auf Urlaub. (APA)

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    foto: gewista
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