Antirassismus-Konferenz: Mauern statt reden - Gudrun Harrer

31. August 2001, 19:54
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Wenig Hoffnung auf konkrete Ergebnisse bei der Antirassismus-Konferenz der UNO

Selten zeigte sich die so genannte internationale Gemeinschaft, was immer das sein soll, so zerstritten und jedes produktiven Miteinanders unfähig wie in den Tagen vor der am Freitag eröffneten UNO-Konferenz in Durban. Aus einer Antirassismus-Konferenz ist eine Rassismus-Konferenz geworden, rassistisch ist dabei nur der jeweils andere - was ja nichts anderes heißt, als dass es alle sind, was wiederum der Wahrheit und dem Grundproblem, um das es in Durban gehen sollte, ziemlich nahe kommt.

Aber daran denkt niemand: Das einzige Motiv für die Präsenz der in die Grabenkämpfe involvierten Protagonisten - die arabische und islamische Welt auf der einen, USA und Israel auf der anderen Seite - ist die Möglichkeit, Beschuldigungen zu erheben oder Beschuldigungen abzuwehren.

Jede kritische Selbstbetrachtung ist damit hinfällig. Wenn man den Zionismus einfach pauschal als rassistisch bezeichnet - was neben bösem Willen von schlichtem Gemüt und schlechter historischer Bildung zeugt (wie sie jedoch nicht nur in der islamischen Welt zu Hause sind) -, wird man bestimmt eines nicht erreichen: dass sich die so Angesprochenen nun kritisch damit beschäftigen, was an potenziell und tatsächlich Negativem ihrer Bewegung, wie ja jeder nationalistischen Bewegung, inhärent ist.

Und das ist schade, genauso wie es schade ist, dass die arabische und islamische Welt sich durch ihren einigenden Hass auf Israel wieder einmal jeder Pflicht enthoben fühlt, selbst in den Spiegel zu schauen. Da käme manche Fratze zum Vorschein, und nicht nur im Kontext des arabisch-israelischen Konflikts.

Aber das sind natürlich nicht die einzigen professionellen Verdränger in Durban, auch die offizielle indische Delegation, um ein anderes Beispiel zu nennen, ist zum Mauern gegen jede Diskussion über die rassistischen Elemente des Kastenwesens nach Durban gefahren, und ein Sonderfall sind, wie fast immer bei UNO-Konferenzen, die USA. Mit Forderungen - die ernsthaft nur von Gerichten behandelt werden können und nicht von einer Konferenz - konfrontiert, was ihre eigene rassistische Vergangenheit bei der Behandlungen ihrer schwarzen und indianischen Mitbürger betrifft, schien ihnen diesmal ihre Solidarisierungspflicht mit Israel ganz zupass zu kommen. Man reiste, genau wie Israel, mit einer heruntergestuften Delegation nach Durban, mit dem klaren Ziel, etwas zu verhindern, und nicht, etwas zu erreichen.

Was nicht etwa heißen soll, dass die Europäer das Ereignis mit einer besonders hochrangigen Präsenz beehren würden, der deutsche Außenminister Joschka Fischer ist da eher eine Ausnahme. Es ist - auch - ein Zeichen von Resignation: Die einerseits mit Themen überfrachtete, andererseits auf den Nahostkonflikt fixierte Konferenz ist abgestempelt als ein großes Dritte-Welt-Ereignis, wofür die die Präsenz von Fidel Castro ein gutes Indiz ist. Die Konferenz ist dazu da, die Erste Welt - der dies jedoch herzlich egal ist - für ihre kolonialistische Vergangenheit an den Pranger zu stellen, auch wenn die Ankläger selbst, wie etwa die Araber, die größten Kolonialisten vor dem Herren waren. Die Gegenwart scheint nur im israelisch-palästinensischen Konflikt zu existieren.

Auch Österreich ist nur auf Beamtenebene vertreten, und angesichts dessen, wie Kanzler und Außenministerin zu Wochenbeginn an der Seite von UNO-Generalsekretär Kofi Annan im Salzburgischen ihre Liebe zur "Andersheit" auf der Welt zelebrierten, ist das verwunderlich - denn es ist wohl bekannt, dass unsere guten Mitbürger und Mitbürgerinnen nicht wenig Probleme mit den "anderen" haben oder, um es klar zu sagen, dass der Rassismus auch in Österreich ein Problem ist, das eine Ministerreise nach Durban gerechtfertigt hätte. Mit einem wortreichen Bekenntnis zum "Dialog unter den Zivilisationen" - und gleichzeitiger Koalition mit der xenophoben FPÖ, von der Schüssel und Ferrero-Waldner einfach so tun, als gäbe es sie nicht (die FPÖ und die Xenophobie) - ist es nicht getan. (DER STANDARD, Print, 1./2.9.2001)

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