Zwischen Licht und Schatten

31. August 2001, 21:18
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Gerard Mortier verlässt uns bereichert

Salzburg - "Trotz Ärger und vieler Aufregungen gehe ich aus Salzburg bereichert weg. Ich habe in Salzburg viel gelernt." Gerard Mortier hat sich wieder beruhigt, nachdem er kurz nach Ende der letzten Premiere gemeint hatte, er sei froh, "dieses Publikum nicht mehr sehen" zu müssen.

Als künstlerische Höhepunkte seiner Intendanz nennt er die Aufführungen von Ariadne und Figaro, mit denen er neue Richtlinien vorgeben wollte. Einiges sei auch nicht ganz geglückt gewesen wie beispielsweise die Traviata: "Die Fledermaus musste sein - allerdings nicht, um an Salzburg oder Österreich Rache zu nehmen." Er wollte einfach nur aufzeigen, dass "nicht alles schön und gut ist" und nicht nur Harmonie vorherrsche, meint er.

Auf seine Fahnen heftet sich Mortier, dass er einen Strukturwandel bei den Salzburger Festspielen herbeigeführt habe. "Wir sind wieder bei den Festivals die Nummer eins geworden - was das Künstlerische und die Öffentlichkeit anlangt", ist der scheidende Intendant überzeugt. Ein Konflikt bei den Salzburger Festspielen werde sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen, meint Mortier, der die zehn Jahre seiner Intendanz als die reichhaltigsten Jahre seines Lebens bezeichnet.

"Entweder wird die Erneuerung bei den Festspielen fortgesetzt, oder es gibt eine Rückkehr zum Erzkonservativen, wo sich das Publikum selbst zu repräsentieren versucht." Er appelliert an seine Nachfolger, sie mögen berücksichtigen, dass das Intellektuelle nicht verloren gehen dürfe: "Salzburg darf nicht nur ein touristisches Zentrum sein, die intellektuelle Basis bei den Festspielen sollte erhalten bleiben."

Für seine künftige Arbeit im Ruhrgebiet hat sich Mortier viel vorgenommen: Er will bei der Ruhr-Triennale neue Inszenierungen zeigen, die ähnlich sein sollen wie etwa Schlachten!. Auch eine Zusammenarbeit mit Herbert Grönemeyer ist vorgesehen.

Bis zu Redaktionsschluss wurde vom Festspielbüro vermeldet, Mortier werde - entgegen ursprünglichen Plänen - nicht in der letzten Vorstellung der Fledermaus auftreten. (tos, APA - DER STANDARD, Print, 1.09.2001)

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