Formil in Deutschland "undenkbar"

1. September 2001, 12:59
1 Posting

Holtzbrinck-Manager Michael Grabner im STANDARD-Gespräch über Magazinehe und Generalswahl

Die Mediaprint verteidigte Michael Grabner sachte bei den Mediengesprächen in Alpbach: "Verlagswirtschaftliche Konzentration ist nicht grundsätzlich schlecht - die Gefahr liegt darin, sie publizistisch auszunützen." Skeptischer ist der aus Wien stammende Manager der deutschen Holtzbrinck-Gruppe ("Handelsblatt", "Wirtschaftswoche") bei der ähnlich marktbeherrschenden Magazinehe von News-Gruppe und trend/profil ("Formil").

Grabner war Ende der Achtzigerjahre "Kurier"-Manager. Und wenn nicht Architekt, so einer der Baumeister der Mediaprint, die alle wirtschaftlichen Aktivitäten von "Krone" und "Kurier" übernimmt, also Anzeigen, Druck und Vertrieb. Grabner ist auch langer Weggefährte der News-Macher Fellner. Er war der Gründungsgesellschafter bei deren Verlagsgruppe und bis 1999 Vorstand ihrer Familienstiftungen.

STANDARD: Sie haben die Mediaprint in den vergangenen Jahren schon schärfer verurteilt.

Grabner: Man kann kann viel schimpfen über die, aber: Bis auf ganz wenige Fälle hat sich die Mediaprint nie in die Publizistik eingemischt.

STANDARD: Bei Konzerninteressen sehr wohl.

Grabner: Natürlich gab es Absprachen etwa beim Kartellrecht. Aber ich würde sagen, im Magazinbereich findet viel mehr Abstimmung statt als im Zeitungsbereich.

STANDARD: Apropos Kartellrecht: Wäre "Formil" in Deutschland möglich?

Grabner: Vor dem deutschen Kartellamt wäre eine solche Magazinlösung nicht denkbar.

STANDARD: Warum nicht?

Grabner: Wegen der Marktkonzentration, der Höhe der Marktanteile. Im deutschen Bundeskartellamt sitzen wirkliche Medienfachleute.

STANDARD: Magazinfusion ist über die Bühne, jetzt wird das Kartellrecht reformiert. Einfluss der Politik - des Wirtschafts- und des Justizministers - auf die Eröffnung von Verfahren soll es weiter geben. Wie sieht das in Deutschland aus?

Grabner: Für alle, die mit Anliegen zum deutschen Kartellamt kommen, hat man dort einen legendären Spruch: Hier ist das Bundeskartellamt. Wir sind zuständig dafür, dass Wettbewerb aufrechterhalten wird. Vier Häuser weiter ist die Wirtschaftsförderung, dann müssen Sie dorthin gehen. Das eine ist eine Kartellfrage, das andere eine wirtschaftliche Abwägung.

STANDARD: Sie meinten hier in Alpbach, Monopole führten stets zu neuen Marktlücken. Sehen Sie bei Magazinen noch eine in Österreich?

Grabner: Nicht bei Magazinen, aber bei Tageszeitungen. Eine junge, modern gemachte Zeitung für Wien, eine Art "USA Today".

STANDARD: Die Mediaprint versucht mit dem "U-Express" einen jüngeren Auftritt.

Grabner: Das ist die Parodie einer Gratiszeitung.

STANDARD: Wer ist so verrückt, heute gegen die Mediaprint anzutreten?

Grabner: Jemand, der keine Rücksichtnahmen zu halten und viel Geld hat. Ich nehme nicht an, dass das kommt, ausgeschlossen ist es nicht.

STANDARD: Kann kaum ein Österreicher sein. Und er oder sie bräuchte eine gehörige Portion Irrsinn.

Grabner: Absolut.

(Harald Fidler/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 1./2. September 2001)

  • Artikelbild
    foto: standard/semotan
Share if you care.