Die Gräfin, deren Glück Rudolf heißt

31. August 2001, 20:28
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Rudi kam zum Abendessen zurück. Was die CDU-Opposition empört, dürfte die Freundin des deutschen Verteidigungsministers am Donnerstagabend gefreut haben. Seit einem Jahr sind Rudolf Scharping und Kristina Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg-Borggreve, geborene Paul, zusammen. Der Minister unterbrach seinen Urlaub mit Gräfin Pilati in Mallorca nur für einige Stunden für einen Truppenbesuch in Mazedonien.

"Mein Glück heißt Rudolf. In seine Arme kann ich mich fallen lassen", wird die zierliche Gräfin und Mutter eines erwachsenen Sohnes in Deutschlands Regenbogenblättern zitiert, in denen sie seit ihrem ersten Auftritt in der Bunten vor einem Jahr gern gesehen ist. Letzter Höhepunkt waren die Plantsch-und Knutschfotos von Rudi und Tina im Pool auf Mallorca, für die Scharping heftige politische Prügel bezog.

Erfolgreiche Scheidungsanwältin

Offenbar eifert die 53-Jährige dem Vorbild großer Boulevard-Advokaten wie Rolf Bossi nach. Denn von Beruf ist die gebürtige Eisenacherin Anwältin und Notarin und arbeitet in einer Frankfurter Kanzlei. Sie ist auf Familienrecht spezialisiert und eine erfolgreiche Scheidungsanwältin.

Im Klientengespräch kann sie da sicher auch persönliche Erfahrungen einbringen, denn Scharping wird, wenn sich die Hochzeitspläne der beiden in Kürze verwirklichen, Pilatis dritter Ehegatte. Ihr erster war ein österreichischstämmiger Adeliger, dem sie ihren blaublütig klingenden Namen verdankt. Ihr Noch-Ehemann Hendrik Borggreve ist Investmentbanker und "happy, dass meine Frau einen neuen Lebensgefährten gefunden hat". Auch Scharpings amtierende Ehegattin Jutta gibt sich da gerne versöhnlich: Kristina Pilati sei eine "nette Frau".

Jaguarfahrerin

Bei ihrer bevorstehenden Hochzeit wollen Armeechef Scharping und Jaguarfahrerin Pilati auf den Austausch von Ringen verzichten - der sei "überflüssig und lästig". Ein wenig romantisch darf es dennoch sein, nicht nur wenn beide gemeinsam in den Klängen von Grieg, Vivaldi oder Pur schwelgen: Ehevertrag werden sie nämlich keinen schließen, obwohl die Berufserfahrung der Braut dies durchaus nahe legen müsste.

Der Beruf war es übrigens auch, der die Anwältin und den SPD-Minister zusammengeführt hat. 1999 sahen sie einander bei einem "Politischen Salon" in Frankfurt zum ersten Mal. Dabei steht Pilati eher der CDU nahe. So vertritt sie Ex-Unions-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister, eine der Schlüsselfiguren im CDU-Spendenskandal. Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Spendenaffäre ist Pilati sogar Zeugin: Sie war 1994 bei jenem Sponsorenessen dabei, in dessen Folge der Waffenhändler Karlheinz Schreiber 100.000 Mark in einem Umschlag an den damaligen CDU-Fraktionschef Wolfgang Schäuble überreicht haben will. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 1./2. 9. 2001)

Von Jörg Wojahn
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