MP3-Player sind Ladenhüter

31. August 2001, 19:02
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Im ersten Halbjahr wurden in Österreich nur 4100 Stück verkauft

Wien - Ginge es nach den Ausstellern der Internationalen Funkausstellung in Berlin und Magazinberichten, käme wohl niemand um die handlichen MP3-Abspielgeräte herum: Ob Thomsons tragbare "Jukebox" mit 10 Gigabyte Speicherplatz für fast endlose Musik oder Samsungs Photo-Yepp, der nicht nur digitale Musik, sondern auch JPEG-Fotos speichert: MP3 ist in aller Munde.

Eine andere Sprache sprechen die Verkaufszahlen, die das Marktforschungsinstitut Fessel-GfK eruiert hat. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2001 österreichweit nur rund 4100 tragbare MP3-Player verkauft. Das sind zwar stolze 356 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (900). Aber angesichts 417.000 anderer tragbarer Audiogeräte, die Jänner bis Juni über den Ladentisch gingen, eine höchst bescheidene Zahl.

Trotzdem Optimismus

Die geringe Nachfrage nach den Abspielgeräten für das be- liebte MP3-Format, mit dem Musikdateien platzsparend gespeichert werden können, ist nicht auf Österreich beschränkt. Da Verkaufszahlen (vor allem solche unter den Erwartungen) geheim gehalten werden, bleiben nur Schätzungen. Diese liegen Experten zufolge bei 300.000 MP3-Playern, die 2000 in Europa verkauft wurden.

Martina Altlechner, Produktmanagerin bei Sony, sieht in den schwachen Verkäufen keinen Grund zur Besorgnis. Sie verweist auf die hohe Zuwachsrate und geht von einer Fortsetzung des Trends aus. "Die Entwicklung des MP3-Marktes ist von vier Faktoren abhängig: Speicherpreise, Softwareangebot im Internet, Kapazität der Datenleitungen und Entwicklung der privaten Internetanschlüsse." Besondere Impulse erwartet sich Frau Altlechner "von der Beseitigung der durch Napster aufgeworfenen legistischen Grauzone".

Verkaufsschlager Radiorekorder

Absolute Verkaufsschlager sind Fessel zufolge weiterhin tragbare Radiorekorder, von denen 114.700 im Halbjahr verkauft wurden. Der gute alte Kassetten-Walkman war im Vorjahr seinem jüngeren Bruder, dem Discman, noch eine Nasenlänge voraus. Heuer übernahm der tragbare CD-Spieler mit 79.500 gegenüber 62.400 Kassettengeräten die Führung. Rückläufig waren 2001 die Verkaufszahlen bei tragbaren Minidisc-Playern. Aber mit 17.800 Stück wurden immer noch viermal so viel verkauft als von den trendigen MP3-Playern.

Von einem weiteren Star der Berliner Funkausstellung - dem DVD-Player - wurden im ersten Halbjahr 2001 mit 31.500 Stück bereits fast so viele wie im gesamten Vorjahr verkauft. Doch liegt diese Verkaufszahl immer noch um 100.000 unter jener der herkömmlichen Videorekorder. (Thomas Krenn, DER STANDARD, Printausgabe 1.9.2001)

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